Süddeutsche Zeitung

Recherche zu Instagram:So machen Sie beim #wahlfilter mit

Hunderte sind schon dabei: Mit dem Projekt #wahlfilter will die SZ vor der Bundestagswahl in die Blackbox Instagram-Algorithmus blicken. Die wichtigsten Fragen, die uns seit dem Start erreicht haben - und wie Sie jetzt noch einsteigen können.

Seit zwei Wochen läuft das Projekt #wahlfilter, mit dem die SZ und ihr Partner Algorithm Watch vor der Bundestagswahl mehr über den Instagram-Algorithmus herausfinden wollen. Das Projekt soll klären, ob das soziale Netzwerk bestimmte Inhalte oder bestimmte Politikerinnen und Politiker bevorzugt, ob es den Stream der Nutzer nach persönlicher Präferenz in die eine oder andere politische Richtung verzerrt.

Mehr als 500 Menschen machen bereits mit, um die Recherche (hier mehr zum Projekt) mit ihren Datenspenden zu unterstützen. Wir freuen uns, wenn auch Sie noch einsteigen - je mehr Menschen teilnehmen, desto aussagekräftiger werden unsere Ergebnisse.

Und so geht's:

  • Installieren Sie auf Ihrem Rechner (nicht auf dem Smartphone) ein kleines Software-Werkzeug: ein Browser-Plug-in für Firefox (Link zur Installation) oder Chrome (Link zur Installation), das die für den #wahlfilter relevanten Daten auf Instagram erfasst - und nur diese.
  • Loggen Sie sich einmal im Desktop-Browser bei Instagram ein (auch wenn es ungewohnt ist), damit Plug-in und Instagram-Account Kontakt aufnehmen können.
  • Und folgen Sie dann dort drei von insgesamt mehr als 100 Politikern oder Politikerinnen, die Ihnen das Plug-in nach dem Zufallsprinzip vorschlägt.

In den kommenden Wochen wollen wir dank Ihrer Datenspenden herausfinden, wie häufig Bilder und Videos dieser Menschen in Ihrer Timeline auftauchen und ob dabei Verzerrungen je nach politischer Ausrichtung zu beobachten sind. Dazu und zu einigen anderen Themen rund um das Projekt haben uns Fragen erreicht, die wir Ihnen hier gerne beantworten. Wenn Sie noch mehr über den #wahlfilter erfahren oder an unserer Umfrage teilnehmen möchten, schauen Sie einfach auf unserer Projektseite sz.de/wahlfilter vorbei. Hier werden der Ablauf der Datenrecherche und die Installation der Plug-ins noch einmal ausführlicher und in Videos erklärt.

Ihre Fragen

Ich würde gerne mitmachen, bin aber misstrauisch, so etwas zu installieren. Was passiert denn da genau?

Mit dem Browser-Plug-in können wir für unsere Datenrecherche festhalten, welche Inhalte von welchen Politikerinnen und Politikern in Ihrer Timeline auftauchen. Bei Firefox-Nutzenden erheben wir außerdem, welche Inhalte auf der Explore-Page vorgeschlagen werden. Das funktioniert, indem das Plug-in in regelmäßigen Abständen bei Instagram "nachschaut". Sie müssen sich dazu nur einmal im Desktop-Browser bei Instagram einloggen und können ansonsten ganz normal die App nutzen. Solange das Plug-in aktiv ist, spenden Sie Daten, und zwar unabhängig davon, ob und wie oft Sie durch Ihren Instagram-Stream scrollen. Sie müssen weder das Plug-in noch Instagram selbst noch einmal öffnen.

Was Sie auf Instagram machen, bleibt Ihre Sache. Ihre Daten werden verschlüsselt an Algorithm Watch gesendet und können nicht auf Sie persönlich zurückgeführt werden. Erhoben werden zum einen nur Informationen ohne Personenbezug, zum anderen nur, was in Ihrer Timeline oder der Explore-Page auftaucht. Wem Sie folgen, was Sie ansehen, mit wem Sie kommunizieren wird nicht vom Plug-in erfasst. Die Informationen werden in eine Datenbank weitergeleitet, auf die nur Mitarbeiter unseres Partners Algorithm Watch zugreifen können. Die teilen die Informationen allein mit der SZ und nur für diese spezielle Datenauswertung.

Gibt es das Plug-in auch fürs Handy - oder für andere Browser?

Leider nicht. Das Plug-in wurde für die am häufigsten genutzten Browser entwickelt, die zusammen einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent haben. Damit der technische Aufwand für das Projekt beherrschbar bleibt, haben sich unsere Partner von Algorithm Watch auf die Desktop-Versionen beschränkt, weil sonst zahllose Varianten für verschiedene Handymodelle und Betriebssysteme nötig gewesen wären.

Eine Integration in die Instagram-App selbst verbietet sich, weil wir sonst mit Facebook kooperieren müssten. Das steht dem Ziel der Recherche entgegen, an deren Ergebnissen und ihrer Veröffentlichung das Unternehmen mutmaßlich kein Interesse hat.

Das alles heißt aber nicht, dass Sie nicht mitmachen können, wenn Sie - wie wohl die meisten User - Instagram nur auf dem Smartphone nutzen. Sie müssen das Plug-in nur einmal am Desktop installieren und sich einmal über den Desktop-Browser auf Instagram einloggen. Danach können Sie das soziale Netzwerk wie gewohnt nutzen, wie und wo immer Sie möchten. Auch wenn Sie es nie wieder öffnen, beeinflusst das Ihre Datenspende nicht.

Wie kann ein Plug-in im Desktop-Browser mit der Instagram-App kommunizieren, die ich am Handy nutze?

Das Plug-in kommuniziert nicht mit Ihrem Smartphone. Ihre Instagram-Nutzung am Handy und die Datenerhebung des Plug-ins laufen unabhängig voneinander. Deswegen müssen Sie sich auch nur einmalig am Desktop bei Instagram einloggen, um am Projekt teilzunehmen.

Was das Plug-in dann tut: Es öffnet Instagram selbständig in Ihrem Browser der Wahl, scrollt über Ihren Feed und speichert, ob die Politikerinnen und Politiker darin vorkommen, die Ihnen vorgeschlagen worden sind. Nach diesem Prozess schließt das Plug-in das Fenster selbständig wieder. In Ihrer Instagram-Nutzung sollte dieser Prozess Sie nicht beeinträchtigen, Sie werden auch nicht vom Plug-in beim Scrollen "beobachtet". Eine Kommunikation zwischen Ihrem Smartphone und dem Desktop-Browser ist schlicht nicht notwendig.

Werden die Daten nur gespendet, wenn ich Instagram am PC benutze?

Nein, Sie können Instagram wie sonst auch in der Smartphone-App nutzen. Nachdem Sie das Plug-in installiert und sich einmalig am Desktop bei Instagram eingeloggt haben, erfasst es Ihre Daten selbständig über den Browser. Solange das Plug-in aktiv ist, werden von jetzt an Daten erhoben, auch wenn Sie mit Ihrem Handy auf dem Sofa liegen.

Warum öffnet sich nach der Installation des Plug-ins ein Fenster, das ich nicht schließen soll?

In diesem Fenster wird das Plug-in in unregelmäßigen Abständen Instagram öffnen und nach den drei Politikerinnen und Politikern suchen, denen Sie für das Projekt folgen. Es kann sein, dass Ihnen dieses Fenster ab und zu auffällt und Sie dort Bewegung wahrnehmen. Nicht erschrecken, so erhebt das Plug-in die Daten für Ihre Spende.

Darf ich die Beiträge der drei Politiker stummschalten - oder wird dadurch das Ergebnis verfälscht?

So wird tatsächlich das Ergebnis verfälscht, weil die Beiträge dann nicht wie sonst in Ihrem Feed auftauchen und registriert werden können. Wir bitten Sie deshalb, für die Dauer der Datenrecherche bis Mitte Juli genau den drei ausgewählten Personen zu folgen und deren Posts in Ihrer Timeline zu tolerieren - beziehungsweise einfach zu ignorieren.

Was ist, wenn mir die vorgeschlagenen Politiker nicht gefallen und ich diese nicht täglich in meinem Feed haben möchte?

Dass unliebsame Posts nerven, ist verständlich - aber da müssen Sie jetzt durch. Betrachten Sie es als temporäre Erweiterung Ihrer Filterblase, samt neuer Perspektiven. Wir geben Bescheid, wenn die Phase der Datenerhebung beendet ist. Das dürfte etwa Mitte Juli so weit sein. Dann können Sie den Politikern wieder entfolgen. Bis dahin gilt im Zweifelsfall: einfach drüberscrollen.

Gibt es eine Alternative ohne Anmeldung bei Instagram? Ich habe mich bislang erfolgreich geweigert, mich dort anzumelden.

Sie können das Projekt #wahlfilter natürlich auch einfach als Leser oder Leserin verfolgen. Wenn Sie selbst etwas beitragen möchten, brauchen Sie allerdings einen Account bei Instagram. Ohne den können Sie keine Daten spenden und wir können keine erfassen, es geht ja schließlich um das Innerste von Instagram selbst, seinen Algorithmus. Die Informationen, die für den #wahlfilter interessant sind, gibt Facebook anderweitig nicht heraus.

Wenn Sie also keine Lust haben, dass der Facebook-Konzern, zu dem Instagram gehört, Zugriff auf Ihre Daten hat und Sie deswegen auf einen Instagram-Account verzichten, ist das verständlich. Wenn Sie den #wahlfilter trotz dieser Bedenken unterstützen möchten, seien Sie versichert, dass die SZ und Algorithm Watch im Rahmen des Projekts mehr Wert auf Datenschutz legen als bei den Unternehmen üblich, zu denen wir hier recherchieren. Vielleicht wäre es ein Kompromiss, für die Dauer des Projekts ein Profil anzulegen und danach wieder zu löschen, also etwa ab Mitte Juli. Zur Erinnerung: Aktiv nutzen müssen Sie es für die Teilnahme am Projekt nicht.

Ich bin bei Instagram nicht besonders aktiv - lohnt es sich trotzdem, mitzumachen?

Ja, wir freuen uns auch über Ihre Datenspende. Auch wenn Sie nicht vielen Accounts folgen oder selbst nichts posten, kann Ihr Beitrag wertvoll sein. Das ist unter realen Bedingungen schließlich auch so: Manche Nutzer folgen vielen Accounts, andere wenigen. Dies in unserem Experiment abzubilden, hilft sogar, der Instagram-Realität näherzukommen.

Welche Daten werden erhoben - und werden sie auch geräteübergreifend erfasst?

Alle Daten, die das Plug-in erhebt, werden pseudonymisiert gespeichert. Eine Rückführung auf Sie als Person oder auf den Namen Ihres Instagram-Accounts ist für uns nicht möglich. Was wir speichern: welchen Browser Sie benutzen, welchen Politikerinnen und Politikern Sie im Zuge des Projektes folgen, ob Sie "Kontakt" mit diesen hatten - also, ob diese in Ihrem Feed aufgetaucht sind - und, wenn ja, wie prominent.

Wenn Sie über Firefox teilnehmen, speichern wir auch, welche Beiträge Ihnen auf der Explore-Seite vorgeschlagen werden. Das ist die Seite, die auf der Smartphone-App erscheint, wenn Sie das Lupensymbol anwählen: Anders als im regulären Feed werden Ihnen hier keine Inhalte von den Accounts gezeigt, denen Sie folgen, sondern solche, von denen der Algorithmus annimmt, dass sie Ihnen gefallen könnten. Personenbezogene Daten von Ihnen oder Ihren Freundinnen und Freunden speichern wir nicht. Das Plug-in kommuniziert außerdem nicht mit Ihrem Smartphone, sondern nur mit Ihrem Browser, in dem Sie es installiert haben.

Noch mehr Details zum Projekt und mehr zum Datenschutz können Sie bei unserem Partner Algorithm Watch lesen. Hier finden Sie alles zum Datenschutz bei der SZ.

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URL:
www.sz.de/1.5277088
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Quelle:
SZ.de/sebi/bew/bekr/jab/mri
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