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VKontakte:Gründer von russischem Facebook-Klon abgesetzt

Pawel Durow verlässt den russischen Facebook-Rivalen VKontakte. Der Plattform-Gründer schreibt, er sei entlassen worden. Zuvor hatte es Streit um Daten prowestlicher Aktivisten in der Ukraine gegeben. Nun übernehmen Verbündete von Präsident Putin das Netzwerk.

Der Gründer des russischsprachigen Facebook-Klons VKontakte ("in Kontakt") verlässt das größte Online-Netzwerk des Landes. Pawel Durow schrieb in seinem VKontakte-Profil, er sei entlassen worden. Das Netzwerk sei nun vollständig in der Hand von Igor Sechin und Alisher Usmanov, einem der größten Investoren in Facebook. Beide gelten als Verbündete von Präsident Wladimir Putin. Das Netzwerk soll mehr als 100 Millionen Nutzer haben.

Zuvor hatte die Wirtschaftszeitung Wedomosti berichtet, der 29-jährige Durow habe bereits am 21. März ein Rücktrittsschreiben eingereicht, das nach einem Monat gültig geworden sei.

Der Geschäftsmann hatte kürzlich in einem Interview geklagt, der russische Inlandsgeheimdienst FSB habe von VKontakte die Herausgabe von Daten prowestlicher Aktivisten in der Ukraine verlangt.

Er habe dies abgelehnt, aber seinen Unternehmensanteil in Höhe von zwölf Prozent verkaufen müssen, behauptete Durow. Am 1. April hatte er bereits Verwirrung gestiftet: Er verkündete seinen Rückzug vom Chefposten, erklärte dies aber zwei Tage später zum Aprilscherz: In schwierigen Zeiten müsse er doch seiner Firma beistehen.

"Gewalt und Chaos verhindern"

Dass VKontakte Daten seiner Mitglieder an den russische Inlandsgeheimdienst FSB weitergibt, hat die russische Zeitung Nowaja Gaseta bereits 2013 aufgedeckt. So habe Durow 2011 im Zuge der Unruhen nach den Parlamentswahlen einen Brief an den ehemaligen Kreml-Chefideologen Wladislaw Surkow geschickt. Der Kreml verlangte seinerzeit die Löschung von Profilen von Oppositionellen.

Durow schrieb: "Wie Sie wissen, arbeiten wir seit Jahren mit dem FSB und der Abteilung K des Innenministeriums zusammen, indem wir die Informationen von Tausenden unserer Nutzer in Gestalt von IP-Adressen und Handynummern reibungslos weiterleiten. Wir sind besorgt über die Perspektive einer Destabilisierung im politischen und wirtschaftlichen Leben Russlands und sind bereit, weiterhin an der Seite der Behörden alles zu unternehmen, um eine Verbreitung von Gewalt und Chaos zu verhindern."

Durow ließ den Zeitungsbericht damals allerdings als "völligen Blödsinn" dementieren.

© Süddeutsche.de/dpa/mri/jab

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