Virtuelle Währung:Erster Bitcoin-Geldautomat steht in Vancouver

Lesezeit: 2 min

Kunden in Kanada können nun ihren Kaffee mit Bitcoins bezahlen, die sie sich im Café kurz zuvor gekauft haben. Bereits 20 Geschäfte akzeptieren in Vancouver Bitcoins als Zahlungsmittel.

Von Bernadette Calonego

Die Fans der Internet-Währung Bitcoin haben Grund zum Jubeln: In der kanadischen Stadt Vancouver ist der erste Bitcoin-Geldautomat der Welt installiert worden. Seit einigen Tagen bietet er seine Dienste in einem Café in Vancouvers Innenstadt an. Vor dieser Weltneuheit stehen Schlangen von Kanadiern, die sich die virtuelle Währung mit Bargeld kaufen wollen. "Es ist brillant", sagt eine junge Frau. "Und es macht Spaß, bei einer neuen Bewegung mitzumachen."

Bitcoin ist eine virtuelle Währung, die - anders als andere, staatliche Währungen - nicht von Zentralbanken kontrolliert wird. Vor vier Jahren hat sie ein unbekannter Programmierer als Reaktion auf die Finanzkrise geschaffen. Seither findet Bitcoin immer mehr Anhänger auf der ganzen Welt, die sich aus den Klauen der Banken befreien und gleichzeitig Transaktionskosten sparen wollen.Dass der Bitcoin-Wechselkurs gegenüber existierenden Währungen heftig schwankt, scheint die wenigsten zu stören.

Auch Sicherheitsbedenken können Eingefleischte nicht abschrecken: In Vancouver müssen sich Kunden ihre Handflächen am Bitcoin-Automaten scannen lassen, bevor sie kanadische Dollar gegen die Online-Währung eintauschen - oder umgekehrt. Sie füttern den Automaten im "Waves Coffee House" mit Bargeld, dann werden Bitcoins auf ihre Online-Geldbörse, eine Art Konto, überwiesen.

Tageslimit 3000 Dollar

Damit können sie nicht nur ihren Cappuccino bezahlen. In Vancouver akzeptieren bereits mehr als zwanzig Geschäfte die virtuelle Währung, von der Transportfirma bis zum Massage-Salon. Mike Bliss, Besitzer eines Yoga-Studios in Vancouver, spart sich auf diese Weise Gebühren auf Kredit- und Bankkarten. "Es ist der billigste und schnellste Weg, Geld zu verschieben", sagt er.

Das Tageslimit am Bitcoin-Automaten beträgt 3000 kanadische Dollar (2100 Euro). Der Automat gibt am Ende der Transaktion eine Quittung aus, wie bei einem normalen Bankomaten.

Die örtliche Firma Bitcoiniacs will vier weitere Automaten in kanadischen Städten aufstellen. Die Wachstumsraten seien fantastisch, sagte Teilhaber Cheyne Mackie: "Bitcoin kann mit Hilfe minimaler Gebühren Grenzen überwinden." Derzeit erhält man am Automaten, den das Unternehmen RoboCoin in Las Vegas baute, Bitcoins nur gegen Bargeld. Aber Mackie sagt, künftig sollen auch Kreditkarten angenommen werden können.

Bitcoin wurde im August von einem US-Richter als Währung anerkannt, stößt aber nicht nur auf Begeisterung. Der Ruf des digitalen Zahlungsmittels nahm Schaden, als es für den Kauf von illegalen Gütern eingesetzt wurde. Das anonyme Webportal Silk Road zum Beispiel wurde von den US-Behörden wegen Drogengeschäften vom Netz genommen. In Thailand ist Bitcoin verboten.

Weil die Online-Währung nicht auf Hartgeld basiert und keine Behörde über sie wacht, warnen Experten vor den Risiken des neuen Zahlungsmittels. Dennoch kann man auf der ganzen Welt in immer mehr normalen Läden mit Bitcoin bezahlen. Vancouver hat nun einen weiteren Meilenstein gesetzt.

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