Videospielindustrie im Wandel Digitale Revolution für Fortgeschrittene

Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt ist die digitale Revolution auch in der Videospielindustrie angekommen. Milliardenschwere Konzerne fürchten um ihre Gewinne, weil immer mehr auf Smartphones gedaddelt oder im Netz gespielt wird und neue Unternehmen Marktanteile gewinnen. Sogar vor Gericht bekämpfen sich alte und neue Computerspielindustrie jetzt.

Von Pascal Paukner

Es hat eine Weile gedauert, bis die digitale Revolution in Redwood City angekommen ist. Doch jetzt ist sie da. Und wie bei Revolutionen üblich: Wenn es kracht, kracht es richtig. Peter Moore leitet das operative Geschäft des in Redwood City ansässigen, milliardenschweren Videospieleherstellers Electronic Arts (EA). Er ist einer derjenigen, die das gefährlich Grollen hören. An der Börse beispielsweise. Seit November des vergangenen Jahres hat die Aktie seines Unternehmens mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Zwischen Angriffs- und Verteidigungshaltung: Ähnlich wie in "Call of Duty" kämpft die Videospielindustrie um ihre Zukunft.

(Foto: Activision)

Es ist ein Absturz, der sich mit Missmanagement allein nicht erklären lässt. Was die Anleger umtreibt, ist vielmehr die Frage, wie es weitergeht in der gesamten Branche, in der EA mit einem Jahresumsatz von 4,1 Milliarden Dollar einer der größten Anbieter ist. "Was wir derzeit erleben, ist der dramatischste Umschwung, den diese Industrie je erlebt hat", warnte Moore bereits im vergangenen Mai.

Die Branche der Video- und Computerspiele sieht sich mit einer Entwicklung konfrontiert, die in der Musik- und Filmindustrie, in den Buch- und Zeitungsverlagen seit Jahren bereits für sinkende Gewinne und Ratlosigkeit sorgt. Es ist der digitale Wandel: Bewährte Geschäftsmodelle brechen weg. Innovative Unternehmen drängen auf den Markt - und werden schneller als einst zu ernst zu nehmenden Rivalen. Denn ihre Dienste bieten sie über das Internet an. Billiger und schneller, als es zuvor möglich war.

Kleine Unternehmen fordern die Milliardenkonzerne

Wenn in der kommenden Woche in Köln Europas größte Spielemesse, die Gamescom, beginnt, dann werden auch dort wieder aufwendige Produktionen wie "Call of Duty" oder "Battlefield" im Mittelpunkt stehen, mit denen die Großen der Branche noch immer das Gros ihres Umsatzes machen. Dabei sind heute schon Kleinunternehmen in der Lage, die Konzerne in den neue Wachstumsmärkten herauszufordern.

Andreas Illiger hat das beispielsweise geschafft. Der Entwickler landete mit dem iPhone-Spiel Tiny Wings im vergangenen Jahr einen riesigen Erfolg. In 49 Ländern belegte er den ersten Platz der Verkaufscharts in Apples App-Store. Mehr als zwei Millionen mal wurde das Spiel inzwischen verkauft.