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Verschwenderische Start-ups:Der Sieger kriegt alles

Dazu kommt, dass gerade Firmen mit Expansionsdrang häufig Vertriebsspezialisten und Experten für die Geschäftsentwicklung zu brauchen glauben, um schnell einen Markt zu besetzen. Etablierte Unternehmen haben genug Einnahmen für so viel Personal, ein Start-up muss das Geld bei Investoren einsammeln. Wehe, wenn die nächste Runde kleiner ausfällt.

Nächstes Problem sind die hohen Mietkosten: Ob San Francisco oder südlich davon im Silicon Valley, der Region geht bezahlbarer Büroraum aus, gerade für Startups, die ihre erste Phase hinter sich haben. Weil der Immobilienmarkt völlig überhitzt ist, können Vermieter hohe Mieten aufrufen und auf langfristige Verträge bestehen. Einige Gründer berichten auch von einjährigen Miet-Vorauszahlungen. Das Horror-Szenario: Schlechte Finanzierungsrunde, Entlassungen und ein halb leeres Büro, das einen Großteil des Budgets auffrisst.

Experten halten einen Crash für unvermeidbar

Hinzu kommt die heftige Konkurrenz: "Wenn Du heute eine gute Idee hast, dauert es vielleicht zwei Wochen, dann sind die Kopierer da", berichtete vor kurzem ein Investor. Ob Ridesharing-Dienste, Parkplatz-Such-Apps oder ultraschnelle Lieferservices: Alleine auf dem Markt ist niemand. Und weil es sich dabei meist um einen "Der-Sieger-kriegt-alles"-Markt handelt, kommt es zu absurden Preiskämpfen, wie gerade im Dreikampf der Taxi-Alternativen Uber, Lyft und Sidecar zu beobachten ist. Der Kunde freut sich, die Start-ups verbrennen Geld.

Eine Besonderheit der US-Westküste verschärft die Situation: Viele Risikokapitalgeber im und rund ums Silicon Valley pflegen ein eher laxes Verhältnis zu den Ausgaben von Start-ups, wenn sie von einer Idee und einem Team überzeugt sind.

Auf die Frage angesprochen, warum Investoren aus New York im Vergleich zu ihren kalifornischen Kollegen so gute Bilanzen haben, sagte ein Branchenkenner, der beide Küsten bestens kennt: "Die Firmen dort kommen aus dem Finanzbusiness und gucken auf die Zahlen. Sie werfen nicht irgendeiner Idee einfach Geld hinterher."

Dass das Geld noch in Strömen fließt, liegt - neben definitiv vorhandenen Innovationen - auch an niedrigen Zinsen und fehlenden Alternativen für Investitionen mit ähnlichen Rendite-Chancen. Auch haben diverse Exits und Börsengänge weitere Millionen in die Kassen gespült. Und wer Teil des Ökosystems Silicon Valley ist, hortet seine Gewinne nicht, sondern investiert sie in Teilen wieder in neue Ideen.

Ein wirtschaftlicher Einbruch, steigende Zinsen, das endgültige Ende der monetären Lockerung der US-Zentralbank: Faktoren für ein Ende des Booms gibt es viele. Die Aussage "diesmal ist alles anders" stimmt allerdings insofern, als gerade die etablierten Unternehmen überhaupt nicht mehr mit den Dotcom-Sternchen vergleichbar sind. Kevin Hartz, Gründer-CEO der Ticketplattform Eventbrite und ein früher Investor in PayPal und Pinterest, rät Jungunternehmern dennoch, sich zu wappnen: "Wenn der Kapitalismus ein Pendel ist, schlägt er derzeit ziemlich in die Richtung von ,das sind die guten alten Zeiten' aus", sagte er.

"Aber das Pendel schwingt immer zurück und trifft Firmen hart, die mit ihrem Geld nicht gut umgegangen sind", so Hartz. Ein Einbruch nach den Erfahrungen aus Dotcom- und Finanzkrise sei unvermeidbar. "Die Frage ist nur: Haben wir noch zehn Monate guter Zeiten vor uns oder sind es noch zehn Jahre?"

© SZ vom 26.09.2014/fued

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