Bildrechte im Internet Copy & pay

Zu viele Webseiten-Betreiber sind zu sorglos: Wer Fotos unberechtigt nutzt, schadet Berufsfotografen.

(Foto: imago stock)

Viele Webseiten nutzen kopierte Fotos ohne Lizenzen. Ein Berliner Start-up durchsucht das Internet nach solchen Bildern und hilft Fotografen, ihre Rechte einzuklagen.

Von Katharina Kutsche

Wenn der Fotograf Johannes Knuth mal wieder ein größeres Fotoprojekt abgeschlossen hat, schickt er die Bilder nicht nur seinem Auftraggeber. Er lädt sie auch auf eine Website hoch - zur Sicherheit. Sie kontrolliert, ob die Fotos irgendwo im Internet auftauchen und zwar bei Menschen, die nicht für ihre Nutzung bezahlt haben. Knuth geht es aber nicht nur darum, das eigene Werk und damit seine Existenz zu schützen. Es geht auch um die Rechte der Kunden, die eine exklusive Arbeit in Auftrag gegeben und dafür ordentlich bezahlt haben.

Die Website, die das leisten kann, heißt Lapixa, wie auch das Berliner Start-up dahinter. Es wurde 2015 gegründet. Kunden des Start-ups sind professionelle Fotografen, aber auch Künstler, Illustratoren und Laien. "Wir sehen uns als Technologie-Unternehmen", sagt Lapixa-Chef Serge Licht, "wir stellen eine Software zur Verfügung."

Genauer gesagt handelt es sich dabei um einen Webcrawler. So wird ein Computerprogramm bezeichnet, das automatisiert das Internet durchsucht. Suchmaschinen nutzen Crawler (engl.: Kriecher, Raupe), um ähnlich wie ein Bibliothekar einen Index aufzubauen. Der Lapixa-Crawler ist ein selbst geschriebener Algorithmus, er reagiert auf Keywörter und sucht Visuelles aller Art, Fotos, Illustrationen, Logos, GIFs. Fotografen oder andere Künstler laden dafür die Originale auf der Website hoch - bei bis zu 2000 Stück ist das kostenlos, darüber hinaus wird eine monatliche Pauschale erhoben. Ein Limit für das Hochladen gibt es nicht, im Schnitt laden Nutzer 1800 Bilder hoch.

"Wir wollen nicht gegen alle vorgehen"

Knuth nutzte Lapixa erstmals im Mai 2017. Nach ein bis zwei Tagen habe es die erste Rückmeldung gegeben, sagt er, der Crawler spuckte Tabellen aus mit einer dreistelligen Trefferzahl. Der Großteil seien bekannte Quellen gewesen: die eigene Website, Social-Media-Accounts, die Website des jeweiligen Kunden. Aber Knuths Fotos fanden sich auch auf Blogs oder völlig zweckentfremdet im europäischen Ausland. "Bilder werden als Freeware wahrgenommen", so der Hamburger, "gerade Jüngere machen sich da wenige Gedanken."

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Bilder im Internet nicht frei verwendet werden dürfen - oder es ist ihnen egal. Wie viele Fotos im Internet kursieren, ist nirgendwo erfasst. Aber es gibt derzeit rund 1,7 Milliarden Websites, Tendenz steigend. Und man darf davon ausgehen, dass auf jeder Webseite mehrere Bilder zu sehen sind. Viel zu durchsuchen also.

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Wer Bilder online zeigen will, muss immer zuerst den Fotografen fragen, hat das Gericht entschieden. Im konkreten Fall ging es um ein publiziertes Schülerreferat.

Lapixas Dienst endet nicht mit der kostenlosen Recherche. Das Start-up verdient erst Geld, wenn es zu Nacherlösen oder Forderungen kommt: Es bietet den anwaltlichen Service dafür gleich mit. "Wir wollen nicht gegen alle vorgehen, die Bilder unberechtigt nutzen - nur gegen kommerzielle Anbieter, und nur wenn der Fotograf das will", sagt Geschäftsführer Serge Licht. Jedes Bild werde im Schnitt 4,5 Mal gefunden. Entscheidet sich der Urheber, gegen die illegale Nutzung vorzugehen, schickt das Lapixa-Team die nötigen Anwaltsbriefe auf den Weg.

Oft löscht der Verursacher das Foto, wenn er angeschrieben wird. Das Team muss also vorab dokumentieren, macht Bildschirmfotos mit Zeitstempel, um die Ansprüche zu sichern. Drei der elf Mitarbeiter sind Volljuristen. Darüber hinaus greift das Start-up auf ein Netzwerk von Anwälten zu, in Deutschland, im europäischen Ausland und darüber hinaus. Seit Anfang des Jahres gibt es ein eigenes Büro in Boston, von wo aus ein Mitarbeiter den nordamerikanischen Markt abdeckt. Im Schnitt ermahnen und erstreiten die Anwälte innerhalb von 52 Tagen Geld, sagt Licht, in Deutschland sogar innerhalb von 20 Tagen. 830 Euro kommen durchschnittlich pro Bild zusammen.

Zeitlich begrenzte Nutzungsrechte

Von den Erlösen gehen 57 Prozent an den Fotografen und 43 Prozent an das Start-up und die Anwälte. So ist die kostenlose Suche gegenfinanziert - zumal der Crawler die Ergebnisse nach verfolgbaren und nicht verfolgbaren Fällen filtert und regelmäßig von selbst loslegt, der Kunde muss die Suche nicht von Neuem anstoßen. Ob gemahnt wird oder nicht, ist letztlich die Entscheidung des Urhebers. Knuth etwa nimmt sich die Liste, die der Crawler ausspuckt, erst mal selbst vor und klärt manches im direkten Gespräch.

Manchmal haben seine Kunden auch schlicht vergessen, dass sie für die Fotos nur zeitlich begrenzte Nutzungsrechte gekauft hatten. "Ich mache das nicht primär als Einnahmequelle, sondern ich möchte ein Stück Kontrolle über meine Bilder zurückbekommen." Pro Monat bekommt er rund 50 Treffer, davon sind fünf bis zehn nicht in Ordnung. Bisher hat Knuth über Lapixa um die 6000 Euro erstritten.

Das Start-up ist zurzeit noch fremdfinanziert, will aber wachsen und profitabel werden. "Der Markt ist noch lange nicht gesättigt", sagt Licht, der an der London School of Economics studierte. Investoren des Unternehmens sind der Kölner Risikokapitalgeber Rudolf van Megen und die Berliner Covus Gruppe, deren Partner und COO Markus Malti gemeinsam mit Serge Licht die Geschäfte bei Lapixa führt.

Inzwischen ist das Unternehmen zumindest so bekannt, dass sich im Internet erste Anwälte als kompetente Ansprechpartner für Mandanten präsentieren, die von dem Start-up abgemahnt wurden. Einzelne Juristen kritisieren, dass die geforderten Erlöse zu hoch seien. Das weist Licht zurück, schließlich sei jede Forderung lupenrein und basiere entweder auf Vergleichswerten des Fotografen oder solchen, die die Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) jährlich erstellt. "Egal welche Forderung wir stellen, sind wir immer bereit, sie auch vor Gericht zu verteidigen", so Licht.

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