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Ungewöhnliche Haushaltshilfen:Hund vs. Roboterstaubsauger

Der eine macht Dreck, der andere macht ihn weg: Hund oder Roboterstaubsauger - wer taugt besser als Haushaltshilfe? Ein Vergleichstest

Titus Arnu

Die Gegner

Hunde haben viele Talente - doch taugen sie zur Haushaltshilfe?

(Foto: AFP)

Ein Hund und ein Staubsauger? Unfair. Denn Hund und Staubsauger sind, so scheint es zunächst, drastische Gegensätze. Der eine macht Dreck, der andere macht Dreck weg. Doch ein Saugroboter und ein Hund haben auch viel gemeinsam. Sie wuseln ständig durch die Wohnung, machen Lärm und kriechen in die hintersten Ecken, um noch den kleinsten Krümel zu erwischen. Wer macht seinen Job als Haushaltshilfe besser? Wir haben einen Vergleichstest gewagt - und ein paar Wochen lang beobachtet, wie ein Hund und ein Roboter miteinander auskommen.

Hund

Bruno, ein großer schokoladenbrauner Rüde, fünf Jahre alt, wirkt auf den ersten Blick wie der kleine Bruder von Problembär Bruno, ist aber eine Mischung aus Labrador und Australian Shepherd. Er besteht zu 90 Prozent aus Muskeln, Knochen und Haaren, 9 Prozent nehmen Magen, Innereien und Zähne ein, der Rest: 0,9 Prozent Knorpel und 0,1 Prozent Hirn. Bruno kann recht freundlich sein, wenn er keinen Hunger hat. Leider hat er immer Hunger.

Staubsauger

Roomba, ein runder, silberner Roboter auf Rollen, wirkt auf den ersten Blick wie der kleine Bruder von R2D2 aus "Star Wars." Genau gesagt handelt es sich um das Modell Roomba 564 Pet, das Tierhaare besonders gut schlucken soll. Roomba piept, blinkt und spricht Automaten-Englisch mit seinem Besitzer. Dabei dreht er sich summend im Kreis. Roomba wirkt zunächst einmal sympathisch, besonders, wenn man Science-Fiction-Fan ist.

Startschwierigkeiten

Bruno ist eindeutig kein Science-Fiction-Fan. Er beäugt den neuen Wohnungsgenossen skeptisch, während ich ihn zusammenbaue und an der Ladestation andocke. Nachdem Roomba arbeitsbereit ist, drücke ich auf den grün leuchtenden Startknopf und lasse ihn loszuckeln.

Damit ist Bruno absolut nicht einverstanden. Er bellt den armen kleinen Sauger wütend an, haut mit seinen Pranken gegen das Gerät und beißt in den Sensor, der den Staubsauger vor Hindernissen warnen soll. Verschüchtert flüchtet Roomba zurück zur Dockingstation.

Dieses Spielchen geht circa 27 Mal so, bis der Roboter völlig entkräftet aufgibt und erstmal den Akku laden muss. Seine Signale sind bedenklich: Der An-Aus-Knopf blinkt erst orange, dann dunkelrot. In der Bedienungsanleitung steht, dass man kleine Kinder oder Haustiere am Anfang nicht mit Roomba alleine lassen soll. Wahrscheinlich dachte der Hersteller an eine Gefährdung von Kindern und Tieren. In unserem Fall ist es umgekehrt. 1:0 für den Hund.

Intelligenzquotient

Das Verhalten unseres Hundes ist eindeutig oral fixiert. Falls er zu so etwas wie Gedankengängen fähig ist, gehen diese ungefähr so: "Küche! Schnitzel in der Pfanne! Herrchen am Telefon! Wohnzimmer! Chance! Fressen!" Wenig später sieht man in der Küche den Beweis, dass Bruno zumindest ein gewiefter Dieb ist: In der Pfanne raucht das Fett, das Schnitzel ist weg. Trotzdem muss man nüchtern feststellen, dass das Tier zwar verhaltensauffällig, aber nicht hochintelligent ist. Im Vergleich dazu ist der Saugroboter fast ein Genie. Er tastet die Größe der Wohnung mit Infrarot-Sensoren ab, rechnet 64 Mal pro Sekunde seine Laufwege aus und kehrt selbständig zur Ladestation zurück, wenn ihm die Energie auszugehen droht. Eindeutig ein Punkt für den Staubsauger - 1:1.

Wendigkeit

Der Saugroboter ist niedrig und klein, damit er auch unter Sofas und Schränke kommt. Im Gegensatz zu einem üblichen Staubsauger erreicht er auch Winkel, die sonst ungeputzt bleiben, etwa unter Betten oder hinter dem Schuhregal. In die Ecken kommt er mit einem rotierenden Putzärmchen. Er überwindet mühelos verschiedene Bodenbeläge, sogar Teppiche mit Fransen und Türschwellen aus Metall sind für ihn keine Todesfallen.

Nur einmal fährt er sich auf einem Flokati fest. Bruno ist zu groß, um unter das Sofa zu kriechen, dafür aber entdeckt er selbst in den hintersten Polsterritzen mikroskopisch kleine Keksreste oder Chipskrümel in Betten von Teenagern. Im Gegensatz zum Staubsauger ziert er sich nicht lange und springt einfach auf Betten und Sofas, um essbaren Müll zu entsorgen. Hier ergänzen sich die beiden gut, also Punkte für beide - 2:2.

Fassungsvermögen

Der Behälter, in dem sich Staub, Hundehaare und anderer Dreck sammeln, ist nur so groß wie zwei Handflächen. Das liegt natürlich an der kompakten, niedrigen Bauweise des Roboters. Im Vergleich dazu ist das Fassungsvermögen eines Hundemagens schier unbegrenzt. Einmal, als ein gewisses Familienmitglied vergessen hatte, eine Schranktür in der Küche richtig zu schließen, machte sich Bruno über einen fast vollen Sack Trockenfutter her. 15 Kilo Futter passen in den Sack. Der Sack war danach bis auf ein, vielleicht zwei Kilo leer. Der Hund war voll. Er sah aus, als sei er trächtig mit Zwölflingen. Dieser Punkt geht also ganz eindeutig an Bruno - 3:2.

Gehorsam

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