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Umstrittenes Irak-Video:260.000 Diplomatennachrichten gestohlen?

Noch mehr Brisanz birgt allerdings eine weitere Behauptung: So erklärte der Mann, 260.000 geheime Nachrichten aus dem diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten weitergegeben zu haben. Diese, behauptete er gegen über Lamo, legten "beinahe kriminelle politische Geheimgeschäfte" offen.

Hillary Clinton und Tausende Diplomaten, brüstete er sich, würden "einen Herzinfarkt bekommen", falls die Dokumente einmal öffentlich zugänglich seien. Wikileaks-Sprecher Daniel Schmitt erklärte jedoch gegenüber sueddeutsche.de, dass ihm von einem solchen Datensatz derzeit nichts bekannt sei.

Ende Mai beschloss Ex-Hacker Lamo, mit seinem Wissen über den vermeintlichen Informanten zum FBI zu gehen. "Ich hätte dies nicht getan, wenn nicht Menschenleben in Gefahr gewesen wären", rechtfertigte er sich im Gespräch mit Wired, "er war in einem Kriegsgebiet und versuchte einfach, so viele Geheiminformationen wie möglich zu saugen und sie einfach rauszupusten." Wenige Tage später verhaftete das FBI den Soldaten im Irak.

"Extrem blöd"

Ob es sich bei Bradley M. tatsächlich um die Quelle handelt, ist derzeit ungewiss. Allerdings liefert der Wired-Artikel genaue Details über Datenformate, Verschlüsselungstechniken und den Ablauf des Diebstahls. Zudem zitiert die Seite einen Freund des 22-Jährigen, mit dem dieser im Januar über die Preisgabe geheimer Militärinformationen gesprochen habe.

Das Facebook-Profil des Soldaten wurde von einem Verwandten auf seinen Wunsch mit folgender Statusmeldung aktualisiert: "Einige von euch haben vielleicht gehört, dass ich für die Weitergabe geheimer Informationen an unauthorisierte Personen verhaftet worden bin. Siehe CollateralMurder.com". Dies ist die Adresse der Seite, auf der das Irak-Video veröffentlicht wurde. Nach Angaben seiner Familie befindet sich M. momentan in Kuwait in Haft, bislang ist aber noch keine Anklage gegen ihn erhoben worden.

Wikileaks, das derzeit Gerüchten ausgesetzt ist, sich illegaler Recherchemethoden zu bedienen, kann nach eigenen Informationen den Wired.com-Text weder bestätigen, noch dementieren. "Wir sammeln keine Informationen über unsere Quellen", sagte Wikileaks-Sprecher Schmitt sueddeutsche.de, "aber unabhängig davon, ob es sich bei dem Mann um die Quelle handelt oder nicht, ist es extrem blöd, mit Dritten über solche Angelegenheiten zu reden."