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Umstrittenes Filmportal:Ermittler verhaften zwei kino.to-Werber

Die Staatsanwaltschaft will offenbar auch die Werbevermittler von kino.to belangen: Bei einer Razzia haben Fahnder zwei Männer festgenommen, die Werbebanner für die umstrittene Streaming-Plattform verkauften. Damit betreten die Ermittler Neuland.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat zwei Männer verhaften lassen, die Werbung an die Internetseite kino.to vermittelt haben sollen. Dafür hätten sie monatlich bis zu 70.000 Euro an kino.to bezahlt, so der Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Wolfgang Klein, der SZ - also fast die Hälfte der monatlichen Werbeeinnahmen des Portals. Über kino.to konnten bis Juni 2011 kostenlos Filme angeschaut werden. Die Verbreitungsrechte besaßen die Betreiber nicht.

Den beiden Verhafteten wirft die Generalstaatsanwaltschaft Beihilfe zur gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzung vor. Am Mittwoch hatten Beamte zehn Objekte in Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen durchsucht.

Es ist das erste Mal, dass sich eine Ermittlung nicht nur auf die Anbieter der Filme konzentriert. Offenbar will die Generalstaatsanwaltschaft den Fall kino.to umfänglich aufklären. "Mit der Einbeziehung der Werbevermittler betreten wir ein Stück weit Neuland", sagte Klein.

Vor allem Pornowerbung geschaltet

Solche Vermittler erstellen die Werbeinhalte nicht selbst, sondern bekommen sie von anderen und sorgen dafür, dass Sie auf einer bestimmten Internetseite eingebaut werden. Im konkreten Fall soll es vor allem um Werbung für Pornoseiten gegangen sein.

Der Programmierer von kino.to, Bastian P., wurde Anfang der Woche zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Er hatte während des Prozesses ausgesagt, dass die Idee für das Portal zwischen dem mutmaßlichen kino.to-Chef Dirk B. und einem Werbepartner einer früheren Internetseite von B. entstanden sei.

Schon auf dieser Seite konnten große Dateien getauscht und heruntergeladen werden, auch illegale. Der Werbepartner habe darauf aufmerksam gemacht, dass es in den USA bereits Portale gebe, die kostenlos Filme anbieten, und mit Werbung viel Geld verdienen. Man solle das doch auch in Deutschland versuchen.

Später hatte Bastian P. Werbung von einem Mittelsmann erhalten, um sie auf der Seite einzubauen. Ob es sich dabei um einen der Verhafteten handelt, bestätigte Klein nicht.

© SZ vom 14.04.2012/scro/joku
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