Umstrittener Einsatz gegen Occupy-Demonstranten Wie sich das Netz am Pfefferspray-Cop rächt

Ein kalifornischer Polizist sprühte wehrlosen Occupy-Demonstranten Pfefferspray ins Gesicht - nun drohen ihm nicht nur rechtliche Konsequenzen: Photoshop-Bastler machen den Beamten zum Gespött der Online-Welt.

Eine Gruppe junger Demonstranten sitzt am Boden, um gegen die Räumung eines Occupy-Zeltlagers an der University of California, Davis zu protestieren, als plötzlich ein Polizist in Kampfmontur erscheint. In aller Seelenruhe zückt dieser eine Spraydose, schreitet die Sitzreihe ab und sprüht den wehrlosen Männer und Frauen ungerührt Pfefferspray in die Augen, bevor seine Kollegen die vor Schmerzen schreienden Menschen wegtragen.

Photoshop-Bild des "Pfefferspray-Cops": Die Rache aus dem Netz.

(Foto: Screenshot Knowyourmeme)

Fast 1,8 Millionen Mal haben Internetnutzer innerhalb weniger Tage das Video abgerufen, das für viele zum Symbol für Polizeiwillkür im Umgang mit der Occupy-Protestbewegung geworden ist. Der Einsatz der Polizei im kalifornischen Davis bei Sacramento ist nicht nur im Netz Gesprächsthema, auch fast alle US-Medien beschäftigen sich mit den Vorfällen vom vergangenen Freitag.

Die Rektorin der UC Davis hat sich inzwischen für das Vorgehen der Beamten entschuldigt, der Chef der Behörde wurde ebenso wie zwei Polizisten suspendiert, denen mit Hilfe von YouTube-Videos unnötige Gewalt gegen Demonstranten nachgewiesen wurde. Auch der von den Medien "Pfefferspray-Cop" titulierte Polizist ist derzeit freigestellt, der Vorfall wird untersucht. Doch die Angelegenheit hat noch auf anderer Ebene ein Nachspiel: Längst haben diverse Internetnutzer auf ihre Art begonnen, den Mann für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen.

Private Daten veröffentlicht

Eine Facebook-Gruppe, in der die Verhaftung des Polizisten gefordert wird, ist dabei noch die harmloseste Variante. Das Hackerkollektiv Anonymous hat ein Video gepostet, in dem es den Mann als "Feigling" beschimpft und ankündigt, er werde den Zorn der Gruppe zu spüren bekommen. In den Kommentaren finden sich dort inzwischen auch persönliche Daten des Polizisten, unter anderem Privatadresse, E-Mail-Kontaktdaten, Handynummer und Skype-Name.

Gleichzeitig ist der "Pepperspray-Cop" längst zum Running Gag geworden: Im Online-Museum "Knowyourmeme" finden sich Hunderte von Photoshop-Bildern, auf denen der Polizist auftaucht.

Die Fotos sind mal geschmacklos, mal lustig: Ob Paul McCartney auf dem Zebrastreifen des Abbey-Road-Plattencovers, Forrest Gump auf der Parkbank, die Lincoln-Statue in Washington, Justin Bieber auf der Bühne oder ein Eisbär auf einer einsamen Scholle: Ihnen allen verpasst der ins Bild montierte Polizist eine Ladung Pfefferspray.

Neid beim Untertitel-Hitler

Wie stets bei solchen Internet-Phänomenen nehmen sich auch T-Shirt-Designer der Sache an: Auf einer Seite für Hobbybastler ist bereits ein T-Shirt zu kaufen, das den Pepperspray-Cop bei der Arbeit zeigt - allerdings strömt dort kein Reizgas aus seiner Dose, sondern orangefarbene Schmetterlinge.

Bei so viel Aufmerksamkeit melden sich allerdings auch Neider zu Wort: In einer neuen Version der bekannten Untergang-Parodievideos auf YouTube regt sich ein untertitelter Adolf Hitler darüber auf, dass der Pfefferspray-Polizist ihm plötzlich als Internet-Berühmtheit die Show stehle. "Ich habe 60 Jahre gebraucht, ein Internet-Witz zu werden", klagt er darin. Dass nun plötzlich ein einfacher Beamter als "das Gesicht des Bösen" gelte, werde er nicht akzeptieren.

Viele Internetnutzer amüsieren sich prächtig über das Spektakel - der Polizist dürfte seinen Prominenten-Status im Netz hingegen alles andere als genießen.