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Soziales Netzwerk:Twitter geht gegen Verschwörungstheoretiker vor

Twitter QAnon

Twitter will QAnon-Aktivitäten blockieren.

(Foto: AFP)

Nach dem Vorgehen gegen Hassbotschaften macht das soziale Netzwerk den nächsten Schritt. Sämtliche Aktivitäten der "QAnon"-Szene sollen blockiert werden.

Von Xaver Bitz

Das soziale Netzwerk Twitter geht aktiv gegen Verschwörungstheoretiker der sogenannten "QAnon"-Bewegung vor. Das kündigte die Firma in einer Reihe von Tweets an. So sollen Accounts, die Theorien der Szene verbreiten, gesperrt und Tweets mit irreführenden Inhalten gelöscht werden. Etwa 150 000 Konten seien davon betroffen. Twitter hatte zuvor angekündigt, entschiedener gegen Inhalte vorzugehen zu wollen, durch die möglicherweise auch in der realen Welt Menschen zu Schaden kommen könnten.

Twitter will Konten löschen, die die QAnon-Theorien verbreiten, die gegen die Multi-Account-Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen oder die gezielt Botschaften streuen, um einzelnen Opfern zu schaden. Die hanebüchenen Verschwörungstheorien sollen künftig nicht mehr in Twitter-Empfehlungen oder -Trends vorkommen, auch die Sichtbarkeit in der Twitter-Suche und Unterhaltungen soll eingeschränkt und externe Homepages mit QAnon-Inhalten blockiert werden.

Die QAnon-Bewegung entstammt ursprünglich dem Imageboard 4chan, wo im Oktober 2017 ein User namens "Q" unbewiesene Theorien über die US-Demokratin Hillary Clinton verbreitete. In Tausenden Nachrichten mit immer verrückter werdenden Theorien baute sich ein regelrechter Kult um den Nutzer auf. "Anon" ist eine Abkürzung von "anonym".

Mitglieder der Bewegung tauchten damals auch bei Veranstaltungen von US-Präsident Donald Trump auf - und tun dies bis heute. Der übernahm und übernimmt immer wieder Teile der Theorien. Dass Trump eine gewissen Nähe zu Verschwörungsglauben hat, überrascht nicht. Lange bevor er selbst Präsidentschaftskandidat wurde, behauptete er, dass sein Vorgänger Barack Obama kein US-Bürger sei, weil angeblich eine amerikanische Geburtsurkunde von ihm fehle.

Seit einigen Monaten gehen Twitter und Facebook gegen Rassismus, Faschismus und Hassbotschaften auf ihren Plattformen vor. Dass Twitter dabei auch keine Angst vor mächtigen Politikern hat, zeigte sich, als Ende Mai Tweets von Trump als Falschaussagen gekennzeichnet wurden. Später löschten beide Netzwerke Werbeanzeigen Trumps, weil diese "Hass verbreiteten".

Die neuen Maßnahmen gegen Verschwörungstheorien sollen im Laufe dieser Woche ausgerollt werden. Twitter will die Aktivitäten auf seiner Plattform weiter "genau untersuchen und die Regeln und das Vorgehen dagegen" anpassen.

© SZ/mxm
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