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Soziale Medien:Facebook und Twitter gehen gegen Trump-Postings vor

Facebook löscht Werbe-Botschaften der Trump-Kampagne. Twitter versieht einen Tweet von Trump mit dem Warn-Hinweis, es würden "manipulierte Medien" verwendet.

Facebook und Twitter sind erneut gegen Botschaften von Donald Trump vorgegangen. Facebook hat Anzeigen von US-Präsident Donald Trump gelöscht, weil darin ein Symbol verwendet wurde, das einst auch von den Nationalsozialisten eingesetzt worden war.

Die Posts hätten Regeln gegen die Verbreitung von "organisiertem Hass" in dem sozialen Netzwerk widersprochen, sagte ein Facebook-Sprecher. In den Werbe-Posts hatte Trumps Wahlkampfteam Stimmung gegen die Antifa und "gefährliche Mobs der radikalen Linken" gemacht - illustriert waren die Anzeigen mit einem auf dem Kopf stehenden Dreieck. Die geometrische Figur ist schwarz umrandet, die Innenfläche rot. Die Nationalsozialisten hatten Kommunisten, Sozialdemokraten, Liberale und andere Oppositionelle gezwungen, ein ähnliches Symbol zu tragen. In Konzentrationslagern wurde das Emblem später für politische Häftlinge verwendet.

Die Abbildung war in bezahlten Anzeigen von Trump selbst, Vize-Präsident Mike Pence und dem Team Trump zu sehen. Konfrontiert mit der Kritik berief sich das Trump-Team am Donnerstagnachmittag darauf, dass das Dreieck von der Antifa verwendet werde. Trotz dieser Begründung wurden die Posts später offenkundig gelöscht.

Das Internationale Auschwitz-Komitee reagiert empört: "Den politischen Häftlingen, gebrandmarkt mit dem roten Winkel, standen die SS-Bewacher in den Lagern mit mörderischem Haß und dem Willen zu grenzenloser Folter gegenüber. Dass dieses todbringende Erinnerungssignal aus der Welt der Konzentrationslager durch das Wahlkampfteam von Donald Trump im amerikanischen Wahlkampf missbraucht wird, um Hass zu säen und Demonstranten zu stigmatisieren, empört die ehemaligen Häftlinge der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager zutiefst."

Manipuliertes Video bei Twitter

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat unterdessen erneut einen Tweet von US-Präsident Donald Trump mit einem Warnhinweis versehen. Unter einem am Donnerstag von Trump geteilten Video waren ein blaues Ausrufezeichen und die Wörter "Manipulierte Medien" zu sehen. Bei dem einminütigen Video handelte es ich um einen Zusammenschnitt einer Darstellung zweier Kleinkinder.

Ein schwarzes Kind scheint dabei zunächst vor einem weißen Kind wegzulaufen. Dazu eingeblendet war das Logo des von Trump verabscheuten TV-Senders CNN sowie unter anderem der Schriftzug "Rassistisches Baby wahrscheinlich Trump-Wähler". Dann erscheinen die Worte: "Was eigentlich passiert ist", und das Video zeigt, dass beide Kinder sich zuvor umarmt haben und in der Folge miteinander laufen. "Amerika ist nicht das Problem. Fake News sind es", heißt es zur Erklärung. Der Washington Post zufolge handelt es sich bei dem Clip um ein umgewidmetes und manipuliertes Video, das sich 2019 viral verbreitet hatte.

Soziale Medien sind die wichtigste Plattform für den US-Präsidenten, um seine Anhängerinnen und Anhänger zu erreichen. Kürzlich aber hatte Twitter begonnen, Beiträge Trumps mit einem Warnhinweis versehen. Unter Tweets, in denen Trump ohne Belege behauptete, Briefwahl sei eine Einladung zum Wahlbetrug, war zu lesen: "Holen Sie sich hier die Fakten über Briefwahlzettel." Daraufhin verschärfte der US-Präsident per Dekret die Regeln für soziale Medien.

© SZ.de/jobr/kler/fued
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