Trotz Sexismus-Vorwürfen:Umstrittener Tinder-Chef ist zurück

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Sean Rad hat die Dating-App Tinder mitgegründet und war ihr CEO. Dann wurde er rausgeschmissen - und jetzt ist er zurück.

(Foto: Michael Nagle/Bloomberg)
  • Chef-Roulette bei Tinder: Der frühere CEO Sean Rad ist zurück. Dafür muss Chris Payne, der Rad erst im März ersetzt hat, gehen.
  • Damit holt Tinder einen von zwei Mitgründern zurück, die von einer Kollegin wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung angeklagt wurden.
  • In dieser Woche machte die Dating-App Negativschlagzeilen mit einer Nachrichtenflut auf Twitter, die sich gegen eine US-Journalistin richtete.

Von Sara Weber

Sean Rad, Mitgründer und früherer CEO von Tinder, sitzt wieder auf dem Chefsessel. Und sein Nachfolger, Chris Payne, der erst im März seinen neuen Job angetreten hat, ist raus. Dass Rad zurück ist, überrascht. Erst im November war er vom Aufsichtsrat gefeuert worden. Einer der Gründe dafür dürfte eine Klage wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung gewesen sein, die Mitgründerin Whitney Wolfe im Juni 2014 gegen Rad und den früheren Tinder-Marketing-Direktor Justin Mateen eingereicht hatte.

Wolfe soll von ihm laut Anklageschrift als "verzweifelte Verliererin", die "von Beziehung zu Beziehung hüpfe" bezeichnet worden sein. Er soll seine frühere Lebenspartnerin zudem "Schlampe" und "Hure" genannt haben. CEO Rad habe ihre Bitten um Hilfe als übertrieben verworfen und damit gedroht, sie zu entlassen, sollten sie und Mateen nicht miteinander auskommen.

Dass die beiden Männer sich gegenüber ihrer weiblichen Mitgründerin und Kollegin so verhielten, sorgte für heftige Kritik in der Tech-Branche und den Medien. Tinder wurde zum Paradebeispiel für den Sexismus im Silicon Valley, Single-Frauen löschten wütend ihre Accounts, neue Dating-Apps mit stärkerem Fokus auf Frauen wurden programmiert. Zwar einigten sich Tinder und Wolfe im September 2014 außergerichtlich, doch wenig später musste Rad gehen. Mateen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits gekündigt.

Den Wechsel an der Spitze der Dating-App sahen viele als gutes Zeichen für die Branche und dafür, dass sich die Unternehmenskultur bei Tinder ändern könnte. Und das, obwohl Rad weiterhin Mitglied des Aufsichtsrats blieb und als Präsident des Unternehmens für Produkt und Marketing verantwortete.

Der Gründer als Heilsbringer

Rads Nachfolger Chris Payne sollte für Ruhe im Unternehmen sorgen und seine langjährige Erfahrung als Manager einbringen. Doch offensichtlich stimmte die Chemie nicht zwischen dem neuen CEO und seinem Unternehmen: "Nach ein paar Monaten ist klar geworden, dass es langfristig nicht funktionieren würde", sagte Aufsichtsratmitglied Matt Cohler im Interview mit dem US-Tech-Blog Re/Code. Dies hätten alle festgestellt, der Aufsichtsrat und Payne selbst, so Cohler. Deshalb hätten sie beschlossen, lieber früher als später zu handeln.

Ähnliche Bedenken hat es bei Rad wohl nicht gegeben. Als Argument für seine Rückkehr wird seine Rolle als Gründer des Unternehmens genannt. Auch bei anderen Tech-Unternehmen wie Google, Twitter und Reddit sind nach Krisenzeiten die Gründer wieder in ihre Unternehmen zurückgekehrt, um ihre Vision umzusetzen. Der Unterschied: Sie waren nicht der Hauptgrund für die Krise.

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