Soziales Netzwerk:Geld verdienen Verlage dort bisher nicht. Sie wollen Reichweite steigern

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Vor Nachrichten à la Tagesschau warnt auch Philipp Steuer, der mit seiner Agentur Snapgeist Unternehmen wie Nintendo und Pro Sieben beim Snappen beraten hat. "Klassische Nachrichten mit abgelesenen Moderationen kommen bei Snapchat nicht an." Der lockere Ton und die persönliche Ansprache müssten erhalten bleiben. Auf dem Kanal von Bild gehören Nachrichten schon zum Themenmix. "Beim Terroranschlag in Brüssel haben wir über Snapchat laufend informiert, beim Putschversuch in der Türkei einen Live-Ticker eingerichtet", sagt der Snapchat-Beauftragte Manuel Lorenz. Fünfstellige Abrufe erziele ein Beitrag mittlerweile im Durchschnitt.

Doch Snappen ist für Medien noch längst kein Selbstläufer. Geld bringt es nicht. Zurzeit wird es genutzt, um die Reichweite zu steigern. Oft werden Snaps nur einige Hundert Mal geschaut, ein Bruchteil verglichen mit Facebook. Hauptproblem: Nutzer müssen den Kanal erst mal finden. Das geht nur mit dem genauen Snapchat-Namen, eine Suche gibt es nicht.

Mehr Aufmerksamkeit bekommen Medien, die es in den Premiumbereich Discover schaffen. Dort lässt sich auch Werbung schalten. Bisher können sich deutsche Medien nicht einkaufen. Ob sich das ändert, verrät Snapchat nicht. Bei Bild.de beobachtet man die Discover-Funktion "mit großem Interesse und großer Begeisterung", sagt Chef Reichelt vieldeutig.

Snapchat-Pioniere machen auf Snapchat einmal mehr die Erfahrung, wie frustrierend es ist, von externen Plattformen abhängig zu sein: Sie erfahren nicht, wie viele Nutzer ihnen folgen. In Snaps können sie keine Links einbauen, die Leser auf die eigene Website lenken. Für die Redaktionen ist es zudem aufwendig, eigene Formate für Snapchat zu entwickeln. Gerade war man froh, Facebook und Twitter bedienen zu können. In vielen Verlagen hofft man deshalb, dass sich die Arbeit lohnt und der Snapchat-Trend so beständig ist wie der Hype um Katzenbilder. Doch das ist unwahrscheinlich. Vor Kurzem führte Instagram die Funktion "Stories" ein, mit der Nutzer Momentaufnahmen in Kurzfilmen zeigen können. Facebook veröffentlichte vergangene Woche die App Lifestage für Schüler. Gut möglich also, dass die Teenies schon bald weiterziehen.

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