Tipps gegen das Abhören Privatsphäre aus dem Kühlschrank

Weil er sich vor dem Zugriff der US-Geheimdienste schützen wollte, griff Whistleblower Edward Snowden auf Methoden wie aus einem James-Bond-Film zurück. Die Handys der Anwälte mussten in den Kühlschrank. Welche Tricks einen gewissen Schutz bieten.

Von Matthias Huber

Da gibt es diese Geschichte mit dem Kühlschrank: Edward Snowden, der Whistleblower, hatte sich in einem Hotel in Hongkong vor den amerikanischen Geheimdiensten versteckt. Als ihn seine Anwälte besuchten, bestand der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter darauf, dass die Gäste ihre Mobiltelefone im Kühlschrank des Hotelzimmers deponieren.

Doch, wozu soll das gut sein? "Das ist erst einmal keine schlechte Idee", sagt Klaus-Dieter Matschke, Inhaber der KDM Group. Das Unternehmen bietet Sicherheitsberatung an. Ein Kühlschrank sei in der Regel stark gedämmt. Dadurch verhindere er, dass die Mikrofone der Telefone die Gespräche im Raum aufzeichnen könnten. Außerdem könne im Idealfall die Bauweise des Kühlschranks die elektromagnetische Strahlung des Mobilfunknetzes abschirmen - also wie ein Faradayscher Käfig wirken.

Die New York Times bezweifelt aber, dass ein Kühlschrank tatsächlich ausreichenden und verlässlichen Schutz bietet: Nur manche Modelle würden eher zufällig den gewünschten Zweck erfüllen. "Sicherer wäre es gewesen, die Batterien aus den Telefonen zu nehmen", sagt auch Matschke. Denn selbst im ausgeschalteten Zustand könnten Handys noch sogenannte Silent SMS empfangen. Das sind für den Nutzer unsichtbare Kurznachrichten des Providers, die automatisch beantwortet werden und so Informationen über den Aufenthaltsort des Handys übermitteln.

Faradayscher Käfig für die Hosentasche

Aber selbst ohne Akku ist es nicht auszuschließen, dass im Telefon über eine zweite, kleinere Batterie, die nicht so einfach entfernt werden kann, genug Energie für die Beantwortung der Ortungs-SMS aufgebracht wird. Diese zweite Batterie dient im Normalfall dazu, den Speicher und die Systemuhr des Telefons mit Strom zu versorgen. "Am Besten ist es, wenn Sie gar kein Handy am Körper haben", sagt Matschke. Wer auf sein Mobiltelefon nicht verzichten will, kann sich bald die sogenannte Off-Pocket kaufen. Das ist eine Hülle für das Handy, aus einem Metallgewebe, das die Funksignale abfangen soll - ein Faradayscher Käfig für die Hosentasche.

Wer besonders sicher gehen will, kann sich außerdem einen speziellen Geldbeutel anschaffen. In das Leder ist ein Metallgitter eingearbeitet, das die Signale von RFID-Chips isolieren soll. RFID-Chips sind beispielsweise im deutschen Personalausweis eingearbeitet . Über diese Chips könne - so die Theorie - ein Bewegungsprofil des Ausweisinhabers erstellt werden. Es ist aber fraglich, ob die geringe Reichweite dafür überhaupt ausreicht. Aktive RFID-Chips mit eigener Stromversorgung kommen auf bis zu drei Meter, passive Chips, wie sie auch im Personalausweis verwendet werden, senden nur über eine deutlich kürzere Distanz.

Ähnliches gilt auch für Banknoten: Die Europäische Zentralbank soll vor einigen Jahren bereits darüber verhandelt haben, Euro-Scheine ebenfalls mit RFID-Chips auszustatten - hauptsächlich, um sie fälschungssicherer zu machen. Datenschützer befürchteten aber, dass sich so der Bargeldumlauf genau verfolgen ließe. Auch deshalb ist eine Einführung bislang nicht konkret geplant.

Prepaid-Handys sorgen für Anonymität

Schutzhüllen wie Off-Pocket oder der Anti-RFID-Geldbeutel schützen aber höchstens vor der Ortung, nicht jedoch vor dem Belauschtwerden. Dieses Risiko besteht bei jedem Telefongespräch - auch wenn die Electronic Frontier Foundation (EFF) in einem online veröffentlichten Leitfaden schreibt, dass Telefongespräche immer noch sicherer seien als die Kommunikation über textbasierte Medien wie E-Mail oder SMS.

Verhältnismäßig anonym ist es - wenigstens für eine kurze Zeit - wenn man mit einem Prepaid-Handy telefoniert. In Österreich muss man sich anders als in Deutschland beim Kauf nicht einmal ausweisen, erklärt Matschke. Dort, wo vertrauliche Gespräche stattfinden, haben aber auch Prepaid-Handys nichts zu suchen - ebensowenig wie ein Festnetztelefon. "Die Zeiten sind vorbei, wo sich noch jemand Zutritt verschaffen musste, um jemanden belauschen zu können", sagt Matschke. Es sei durchaus möglich, "von außen" die Freisprechanlage zu aktivieren. Es dürfe auch keiner im Raum ein Handy bei sich tragen, da dessen Mikrofon angezapft werden könne. "Telefone sind manipulierbar."

Deshalb geht auch nach Ansicht der EFF nichts über das persönliche Gespräch. Am Besten, rät Matschke, in einem schallgeschützten Raum, ohne Fenster. Die Schwingungen an der Glasscheibe könnten sonst - "wie im Agentenfilm" - beispielsweise mit einem Richtmikrofon belauscht werden. Auch kann es helfen, leise zu reden und Umgebungsgeräusche zu verursachen. "Rufen Sie die Zeitansage an und lassen Sie das im Hintergrund laufen", schlägt Matschke vor. "Oder machen Sie Musik an oder drehen den Wasserhahn auf."