Tester von schlechten Computerspielen Sonderbare Importe aus Osteuropa

WASD: Würde also Crap Shoot mit modernen Spielen unmöglich sein?

Richard Cobbett: Es gibt immer Ausnahmen! Aber das Problem ist doch: Wir haben heute doch keine echte Vorstellung mehr davon, was eigentlich ein schlechtes Spiel ist. Nehmen wir nur mal "Dragon Age 2". Das wurde von einigen Leuten zum "schlechtesten Rollenspiel aller Zeiten" gekürt. So ein Blödsinn! Es ist für Bioware-Maßstäbe kein besonders gutes Spiel, aber es ist kein schlechtes Spiel. Schlechte Spiele sind selten geworden, man muss sie abseits des Mainstreams suchen, zum Beispiel in sonderbaren Importen aus Osteuropa. Oder in so was wie "7 Sins", in dem man fast schon einen Sexualstraftäter spielt.

WASD: Oh, das! Ein Freund hat das mal gespielt und fand es toll. Später hat er dann immer recht verzweifelt Datingbücher gelesen.

Richard Cobbett: Das ist ja entsetzlich! In "7 Sins" muss der Spieler in einem Level Frauen in die Wohnung locken, um mit ihnen Pornos zu drehen. Sie bleiben aber immer angezogen. Auch in der Dusche. Nacktsein ist ist in den USA nämlich ein Tabu. Das macht natürlich überhaupt keinen Sinn und genau auf so etwas möchte ich aufmerksam machen. Es gibt eine Menge solcher Spiele, aber ich konzentriere mich auf ältere Titel, einfach weil die nochmal eine Ecke obskurer sind. Ich schreibe dann über Spiele mit Namen wie "Tongue of the Fatman". Da würde auch nur der Name schon einen guten Artikel abgeben. "'Tongue of the Fatman': Dieses Spiel gibt es wirklich. Bis nächste Woche dann!"

WASD: Machen dich bestimmte Spiele wütend?

Richard Cobbett: Nein, wenn mir etwas nicht gefällt, dann spiele ich es einfach nicht. Schlechte Spiele kümmern mich eigentlich gar nicht so sehr wie Spiele, die eigentlich besser sein sollten. Spiele wie "Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude". Ein frauenfeindliches, mieses Spiel in einer Spielereihe, die ursprünglich weder mies noch frauenfeindlich war. Bei vielen schlechten Spielen kenne ich die Hintergründe und kann einfach nicht wütend sein. Da wollten ein paar Entwickler ein gutes Spiel machen und es hat halt nicht geklappt. Das ist schade. Aber selbst die richtig schlechten Spiele sind es wert, darüber an einem Abend 6000 Zeichen zu schreiben. Sie sind mir wirklich wichtig, wütend machen sie mich nicht. Etwas anderes macht mich wütend: Entwickler, die nichts Neues mehr versuchen, weil sie Angst haben, daran zu scheitern.

Dennis Kogel schreibt für diverse Publikationen, in seinem Blog und im Gaming-Blog "Superlevel" über Spiele.