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Terror-Ermittlungen:BKA: Verschlüsselung bietet "verfolgungsfreie Räume"

Also respektiert der deutsche Staat Verschlüsselung mehr als die USA, wie es Innenministerium und Wirtschaft behaupten? Kommt darauf an. Denn so sehr die Technik Kommunikation, Geschäftsgeheimnisse und natürlich die Geheimnisse des Staates schützen soll, genauso nervt sie dessen Wachhunde. Vergangenes Jahr forderte nicht nur der Anti-Terror-Koordinator der EU Hintertüren.

Auch der Präsident des thüringischen Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, sagte, Hintertüren seien die einzige Möglichkeit, in verschlüsselten Chat-Programmen wie Telegram oder Whatsapp (in seiner Android-Version) mitzulesen. Die sind, glaubt man den Behörden, bei Terroristen beliebt. Im Bundeskriminalamt denkt man ähnlich: "In Verfahren stellen wir immer wieder fest, dass sichergestellte Datenträger mit Kryptierungssoftware verschlüsselt sind. Eine Analyse der Daten ist häufig unmöglich und ein Tatnachweis erschwert." Das schaffe "verfolgungsfreie Räume". Aus Bundestagskreisen heißt es ohnehin: Vertreter der Sicherheitsbehörden trichterten Abgeordneten in praktisch jedem Hintergrundgespräch ein, dass Deutschland Hintertüren brauche.

Deutsche Unternehmen beobachten den Streit zwischen Apple und FBI genau

Dass der Staat je nach Situation widersprüchliche Signale sendet, beobachtet auch Jan Girlich vom Chaos Computer Club: Nach Anschlägen heiße es, nun müsse man "alle Krypto aufmachen" - also die Verschlüsselung im Sinne der Behörden schwächen. "Aber wenn gerade chinesische Hacker Unternehmen angreifen, dann muss die Krypto wieder sicher sein." Deutsche Unternehmen beobachten den Streit über das iPhone von San Bernardino jedenfalls genau.

Holger Mühlbauer von Teletrust, einem Netzwerk deutscher IT-Anbieter und Behörden, zu dem unter anderem die Telekom, Siemens und das BKA gehören, sieht den Fall als Chance: Je schwächer Apples Verschlüsselung werde, desto attraktiver werde deutsche IT-Sicherheitstechnologie für Anwender, auch in den USA. Denn das ist der Traum der deutschen IT-Branche seit den Enthüllungen von Edward Snowden: "Verschlüsselungsstandort Nummer eins" zu werden. Das geht aber nur, wenn ihnen Sicherheitspolitiker nicht dazwischengrätschen.