Digitale Gesellschaft "Weil Korruption jeden etwas angeht"

2001 gründete die Frankokanadierin mit einem Jura-Abschluss aus Cambridge die Anti-Korruptions-plattform TRACE.

(Foto: Maximilian Franz)

Trace: Alexandra Wrage bekämpft Korruption digital

Bei Bestechung geht es um ungleich verteilte Macht: Die Mächtigen verlangen Geld von den weniger Mächtigen. Frauen sind in vielen Ländern besonders davon betroffen, weiß Alexandra Wrage, 54, Präsidentin der internationalen Anti-Korruptions-plattform TRACE. "Es gibt Fälle in Indien, wo Ärzte von Frauen Geld verlangen, nur damit sie ihr Neugeborenes zum ersten Mal in den Arm nehmen dürfen", sagt Wrage.

2001 gründete die Kanadierin mit einem Jura-Abschluss aus Cambridge deshalb TRACE. Die Idee: Online verfügbare Informationen nutzen, um Korruption digital zu bekämpfen. Auf der Internetplattform werden dafür verschiedene Tools angeboten, mit denen Unternehmen potenzielle Geschäftspartner überprüfen können. Algorithmen durchforsten dann das Internet, und Analysten werten die Ergebnisse aus, um festzustellen, ob eine Firma zum Beispiel schon einmal der Bestechung verdächtigt wurde.

Seit Neuestem wird außerdem das Label "Women Owned" vergeben. Mindestens 50 Prozent der Unternehmensanteile müssen dafür in weiblichen Händen liegen. "Große internationale Firmen achten mittlerweile verstärkt auf die Diversität ihrer eigenen Teams, aber auch der ihrer Zulieferer und Partner", sagt Wrage.

Über TRACE kann ein deutscher Hersteller beispielsweise herausfinden, ob ein Produzent in Pakistan ebenso auf Diversität setzt. Bei TRACE selbst ist das schon lang der Fall, mehr als die Hälfte der Mitarbeiter sind weiblich, und flexible Arbeitszeiten sowie Homeoffice waren von Anfang an Standard. Da es Alexandra Wrage wichtig ist, dass sich auch kleinere Unternehmen den Prozess leisten können, bietet TRACE einen Teil seiner Leistungen umsonst an: auf die TRACE-Datenbank kann man kostenlos zugreifen. "Weil Korruption jeden etwas angeht", wie Wrage betont.