Technisat Deutscher TV-Hersteller wehrt sich gegen die übermächtige Konkurrenz aus Asien

Scharfe Sache: Das TV-Gerät des deutschen Herstellers Technisat hat einen Bildschirm mit ultrahoher Auflösung.

(Foto: PR)

Die Firma hat einen Vorteil gegenüber anderen Produzenten hierzulande.

Von Helmut Martin-Jung, Berlin

Als Fernseher noch vor allem Fernseher waren und keine mit dem Internet verbundenen Unterhaltungszentralen, da lieferte eine Firma bereits Updates für das Betriebssystem aus. Der deutsche Hersteller Technisat schickte die neue Software über Nacht via TV-Signal auf die Geräte, der Nutzer musste nichts tun als zu bestätigen, dass die neue Software eingespielt werden sollte. Auf Nutzerfreundlichkeit und Service setzt das Unternehmen mit Hauptsitz in Daun in der Eifel noch heute.

Noch heute - das klingt in dieser Branche ein wenig doppeldeutig. Die beiden anderen übrig gebliebenen deutschen Hersteller Loewe und Metz haben 2013 bzw. 2014 Konkurs angemeldet. Metz gehört inzwischen zum chinesischen Konzern Skyworth, Loewe wurde von Investoren gerettet und versucht es weiter mit teuren Geräten, die alles bieten sollen.

Da sieht sich auch Technisat. "Wir bieten ein High-End-Produkt", sagt Marketing-Chef Tyrone Winbush. Doch auch ihm ist klar, dass das bei der Konkurrenz durch extrem preisgünstige Geräte aus Asien nicht mehr reicht. Wenn man ein hochwertiges Produkt vertreibe, müsse man dem Kunden auch einen Ansprechpartner bieten können. Das sind die Fachhändler. Technisat vertreibt deshalb ausschließlich über den Fachhandel. Der soll die Kunden beraten und ihnen auch helfen, das Gerät aufzustellen und einzurichten.

Vieles fertigt Technisat noch selbst, der Bildschirm kommt aber aus Asien

Die Händler werden dafür regelmäßig geschult und können sogar kleinere Reparaturen vornehmen. Größere Reparaturen erledigt Technisat im Werk und verspricht: "Wir haben auch Ersatzteile für Geräte, die zehn Jahre alt sind."

Viele Bauteile fertigt Technisat am Standort Schöneck in Sachsen noch selbst, aber nur, wenn das auch wirtschaftlich ist. Die Bildschirmelemente beispielsweise kauft das Unternehmen wie auch Loewe in Asien ein. Vor allem für den Einkauf unterhält Technisat einen Standort im chinesischen Shenzen. Die Mitarbeiter dort kümmern sich aber auch darum, dass die Qualität der eingekauften Bauteile stimmt.

Entwickelt werden die TV-Geräte in Dresden, sowohl was die Hardware angeht wie auch die Software. Mit technisch guten Geräten, vor allem aber mit komfortabler Bedienung versucht Technisat zu punkten. Mit einer Familien-Funktion etwa lassen sich verschiedene Nutzerprofile anlegen. Beispielsweise lässt sich einstellen, dass Kinder nur zwischen 13 und 18 Uhr und insgesamt nur eine Stunde fernsehen dürfen. Und wenn sich die Programmplätze ändern, was sowohl bei Kabel- wie auch bei Satellitenempfang öfters vorkommt, bietet Technisat eine neue Senderliste an, die bereits nach deutschen Sehgewohnheiten sortiert ist. Der Nutzer kann selbst wählen, ob er die neue Liste übernehmen oder selbst eine anlegen will.

Für ältere Kunden, die es am liebsten einfach haben und möglichst nichts verstellen wollen, gibt es den sogenannten "Easy Mode", bei dem die Bedienschritte in größerer Schrift angezeigt werden, außerdem ist der Netzzugang gesperrt. So hofft man, wie eine Sprecherin sagt, verschiedene Altersgruppen gut bedienen zu können. Durch die Einrichtung führt dann eine "Digi-Butler" genannte Software, die es besonders leicht machen soll, den Fernseher nach den persönlichen Vorlieben einzustellen.

Auch bei Technisat wird es rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft Geräte mit extra hoch auflösendem Bildschirm geben. Das ist aber nicht das einzig herausstechende Merkmal. Der Fernseher kommt auch mit eingebauten HD+. Damit lassen sich die deutschen Privatsender in HD empfangen und auch aufzeichnen.

Die Firma lebt nicht allein vom Geschäft mit Fernsehern

Um die Klangqualität zu verbessern - bei Flachbildfernsehern wegen des fehlenden Platzes für leistungsfähige Lautsprecher oft ein Thema - hat sich Technisat mit dem Hamburger Lautsprecher-Experten Elac zusammengetan. Das Ergebnis ist ein System mit einem Subwoofer - also einem externen Basslautsprecher -, der sich hinten am Fernsehgerät anbringen lässt und somit nicht im Wohnzimmer herumsteht. Das Konzept hat sich die Firma sogar patentieren lassen.

Auch ein Gerät mit gebogenem Bildschirm hat Technisat entwickelt, aber lediglich als Prototypen: "Wir wollen erst abwarten, was die Händler dazu sagen", erklärt Marketingmann Winbush.

Schwierig bleibt das Geschäft für einen deutschen Anbieter dennoch: Der Marktanteil von Technisat in Deutschland liegt "unter fünf Prozent", wie Winbush sagt. Dennoch tut sich seine Firma leichter als andere, denn Technisat, das zur Techniropa Holding gehört, hat auch noch andere Standbeine, unter anderem ist die Firma ein wichtiger Zulieferer für die Autoindustrie. Außerdem baut Technisat Satellitenanlagen und -Empfänger dafür sowie Empfänger für digitales Radio über Antenne (DAB+).