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Technik:Googles neue Hardware-Offensive

2017 wird "Home" auch in Deutschland auf den Markt kommen. Die Lauschfunktion kann man abstellen.

(Foto: oh)

Der Konzern präsentiert Smartphones, Router, Streamingtechnik und "Home", den lauschenden Lautsprecher für zuhause. Schafft Google es diesmal, mehr als nur Werbung zu verkaufen?

Das Ding, so groß wie eine Büchse Pfirsiche, könnte auch ein hübsch gestalteter kleiner Luftbefeuchter sein oder ein simpler Funklautsprecher.

Aber es ist viel mehr.

Googles neues Produkt "Home" ist, genau wie Amazons Gerät "Echo", eine Schnittstelle zu einer großen Vielfalt an Medien und Dienstleistungen. Ja, es steht, glaubt man Marktforschern und Analysten, für eine wichtige Art und Weise, wie die vernetzte und computerisierte Menschheit mit der Elektronik um sie herum künftig interagieren wird. Und es könnte ein Milliardengeschäft werden.

Es ist aber nicht das einzige neue Gerät von Google. Der Konzern stellt außerdem einen Internet-Router für zu Hause vor sowie neue Zusatzgeräte für Musik- und Video-Streaming und zwei neue Smartphones. Dahinter steht eine neue Strategie des Konzerns für seine Hardware.

Bei Google verantwortlich dafür ist Mario Queiroz. "Die Verpackung, die Markengestaltung ist sehr ähnlich", sagt er der SZ. Ziel sei es, die Bemühungen seines Arbeitgebers bei künstlicher Intelligenz über verschiedene Produkte konsistent zum Kunden zu bringen. "Das muss zugeschnitten sein auf das jeweilige Produkt", sagt er. Home könne eben nur mit Sprache gesteuert werden, ein Smartphone dagegen auch mit Eingaben auf dem Bildschirm. Die durchwegs konkurrenzfähigen, aber günstigen Geräte sollen also eine Art Brücke sein zu den Diensten Googles, das mit Werbung in seinen Angeboten den bei Weitem größten Teil seiner Einnahmen erzielt. Je einfacher die Menschen diese Angebote nutzen können, desto mehr Geld verdient Google mit Werbung.

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Das interessanteste der neuen Geräte ist Home. Man steuert es, ohne Tasten zu drücken oder Befehle einzutippen. Der Zylinder hat weder Bildschirm noch eine Tastatur, Befehle oder Fragen nimmt er per Spracherkennung über Mikrofone auf und quittiert sie mit akustischen Rückmeldungen. Auf mündlichen Befehl hin dimmt er das Licht herunter, schaltet die Heizung höher, spielt ein Youtube-Video auf dem Fernseher ab. Er weiß, wie schlimm der morgendliche Stau auf dem Weg zur Arbeit ist, wann der geplante Flug abhebt und wann Tante Frieda Geburtstag hat. Und er weiß noch tausend Sachen mehr - man muss ihn bloß danach fragen.

Wenn es um Hardware ging, war Google bis vor Kurzem wenig erfolgreich. Das erste eigene Smartphone, 2010 angekündigt als "Superphone", war ein kommerzieller Flop. Die teuer eingekaufte Handy-Sparte von Motorola hat man mit Milliardenverlust wieder abgestoßen an Lenovo. Außerdem hatte Google Probleme damit, den Service für seine Geräte zu organisieren.

Es dürfte Jahre dauern, bis die Menschen sich an die Geräte gewöhnen

An der Entwicklung des Superphones war zwar auch Queiroz beteiligt, doch er revanchierte sich mit einem Produkt, das Google in die erste Reihe der Hardware-Hersteller beförderte: In der Chromecast-Reihe, kleinen Zusatzgeräten für Fernseher oder Musikanlagen, schuf Google unter seiner Leitung erschwingliche kleine Zusatzgeräte, mit denen sich Videos und Musik sehr einfach vom Smartphone oder aus dem Netz auf Fernseher oder Musikanlagen übertragen lassen. Den Marktforschern des Instituts IHS zufolge hat Google im ersten Quartal dieses Jahres mehr Geräte verkauft als Apple, das mit Apple TV ein Konkurrenzprodukt anbietet.

Und nun also der lauschende Lautsprecher, der auf das Codewort "OK, Google" Informationen liefert und Funktionen des smarten Hauses steuert. Die Marktforscher von Gartner sehen in dieser neuen Gerätegattung ein großes Potenzial. Bis 2020, also in gut drei Jahren, werden ihrer Voraussage nach schon mehr als 2,1 Milliarden Dollar mit solchen Geräten umgesetzt werden; 2015 waren es noch 360 Millionen.