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Tech-Konzerne:Zu viele Verlierer

Ein Ausschuss des US-Kongresses kommt zu dem Schluss: Google, Facebook, Amazon und Apple missbrauchen ihre Macht.

Von Jannis Brühl

Amerika vertraut seinen Vorzeigeunternehmen auch die größten Geheimnisse an. Die CIA etwa setzt auf Amazons Cloud-Computer. Doch so langsam wachsen die Tech-Konzerne Washington über den Kopf. Ein Kongressausschuss stellt Amazon, Google, Facebook und Apple in einem umfassenden Bericht an den Pranger: Was diese betreiben, ist keine freie Marktwirtschaft, sondern Machtmissbrauch.

Die Konzerne waren Symbol des amerikanischen Erfindergeists. Es passt zur Sinnkrise des Landes, dass die Firmen nun infrage gestellt werden. Schließlich geht es um das Ende eines amerikanischen Selbstbetrugs, der da lautet: Im Markt setzen sich nur die besten Ideen durch, und am Ende gewinnen die Fleißigen. Tatsächlich aber werden fleißige Start-ups mit guten Ideen von Google oder Amazon schlicht gekauft. Tatsächlich optimieren Konzerne wie Amazon ihre Produkte mithilfe der Daten, die andere Unternehmen bei ihnen hinterlassen mussten.

Der Bericht zeigt, was Plattform-Kapitalismus ist. In immer mehr Bereichen der Wirtschaft richtet sich alles auf vier Konzerne aus. Sie werden von Unternehmen zu Arenen, in denen viele kleine Unternehmen bestehen müssen. Die Regeln schreiben dann die Plattformen: den Betrag, den ein App-Entwickler abdrücken muss, um überhaupt Menschen zu erreichen. Welche Suchmaschine Handy-Hersteller vorab installieren müssen.

Facebook-Investor Peter Thiel hat die Strategie der Konzerne auf den Punkt gebracht: "Wettbewerb ist für Verlierer." Im Silicon Valley geht es nicht um Erfindergeist, sondern um astronomische Monopolprofite. Der Bericht des Kongresses ist ein erster Schritt zu dieser Erkenntnis - damit am Ende nicht nur die großen Vier die Gewinner sind.

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