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Teamviewer:"Das ist eine richtige schwäbische Geschichte"

"Wir sind Marktführer. Unsere Software ist globaler Standard. Wir haben die Chance, als einer der ganz wenigen allein groß zu werden", sagt König. Umsatzzahlen will er nicht nennen, nach Informationen aus Unternehmenskreisen aber sollen in diesem Jahr 200 Millionen Euro erwirtschaftet werden, überwiegend außerhalb Europas. Die Firma beschäftigt 600 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon in der Hauptverwaltung in Göppingen. Daneben gibt es Standorte in München, in London, in Australien, in den USA und sogar eine Entwicklungsfirma in Armenien. Dort sind Entwicklungsingenieure tätig, die an neuen Produkten forschen.

Das Unternehmen wurde 2005 gegründet. "Das ist eine richtige schwäbische Geschichte", sagt König. Die Mitarbeiter einer kleinen Softwarefirma mussten zur Präsentation der Produkte immer zu ihren Kunden reisen. Firmeninhaber Tilo Rossmanith war das zu aufwendig, deswegen suchte er nach anderen Wegen, etwa die Präsentation aus der Ferne. Eine Karlsruher Firma bot Produkte dafür an, die waren dem schwäbischen Mittelständler aber zu teuer. Also ließ er selbst eine Software entwickeln, Teamviewer war geboren. Rossmanith stieg später aus und verkaufte an die Firma GFI Software. Die Zahlen gingen durch die Decke. Ende 2014 kam Permira, übernahm 100 Prozent der Anteile.

"Etwas wirklich einfach machen, dazu braucht es verdammt viel Know-how."

Das Geheimnis sei, eine leicht zu bedienende Softwarelösung anzubieten, so König: "Etwas wirklich einfach machen, so einfach wie Schuhe binden, dazu braucht es verdammt viel Know-how." Permira - der Investor war in Deutschland bislang an Schwergewichten wie Pro Sieben Sat 1 oder Hugo Boss beteiligt - setzt große Hoffnungen in die Firma.

Teamviewer sei ein Beispiel für die Strategie, Technologiefirmen mit großem Wachstumspotenzial zu finden und diese gemeinsam mit dem Management zu Weltmarktführern auszubauen, sagt Jörg Rockenhäuser, Deutschland-Chef von Permira. Er fügt an: "Es gibt nur drei Softwarefirmen mit einer Milliardenbewertung in Deutschland, Teamviewer ist eine davon."

Etwa 90 Prozent der größten US-Unternehmen nutzen bereits Software von Teamviewer. "Wir laufen auf jedem Betriebssystem", sagt König. Zudem seien die Verbindungen vom Sender zum Empfänger verschlüsselt und sicher, sie werden über rund 700 eigene Router weltweit abgewickelt. "Keiner, nicht mal die NSA, kann uns hacken", verspricht der Firmenchef. Dabei würden auch der Sitz in Deutschland und die strengen Datenschutzregeln helfen. "Wir arbeiten immer unter deutschem Recht, wir sind ein deutsches Unternehmen", betont König. "Made in Germany", das schreibe man jetzt dazu.

Das Internet der Dinge soll das Wachstum befeuern

Aber König will mehr, will die Abhängigkeit von einem Produkt verringern. Er setzt auf das Internet der Dinge, auf die Vernetzung der Maschinen mithilfe von Teamviewer. Schon heute gebe es etwa Hersteller von Schneekanonen, die ihre Maschinen per Teamviewer vernetzen.

"In zwei Jahren ist das Geschäft mit der weltweiten Vernetzung von Maschinen größer als alles, was wir heute machen", verspricht König: "Da ist nur die Fantasie der limitierende Faktor." Zudem will er stärker in den USA investieren, schon jetzt ist das Land der größte Markt. Den Ausbau will König aus eigener Kraft finanzieren. Denn Teamviewer erwirtschaftet, anders als viele andere Start-ups in der Internetbranche, Gewinne. Die operative Marge liegt laut Unternehmenskreisen bei 60 Prozent.

Fantasie, das ist es, was König für sein Unternehmen braucht. Denn Permira will irgendwann wieder aussteigen, am besten mit einem hohen Gewinn. Ob der Investor sich über einen Verkauf oder einen Börsengang verabschiedet, sei offen. "Es gibt viele Möglichkeiten", so König. Finanzinvestoren halten Engagements zwischen fünf und sieben Jahren. Da bleibt noch Zeit für das Einhorn, sich zu entwickeln.

© SZ vom 12.04.2016/mor
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