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Tablet-PCs im Vergleich:Alle gegen eines

Immer mehr Hersteller drängen auf den Tablet-Markt und versuchen vor allem, mit dem Preis zu punkten. Doch kein Anbieter kann ein so rundes Gesamtpaket vorweisen wie Apple.

Helmut Martin-Jung

Man stelle sich vor, es gäbe da einen Premium-Autohersteller wie, sagen wir, Audi oder BMW, der eine neue Technologie spektakulär zur Marktreife entwickelt hat. Und dann viele Konkurrenten, die unter höchstem Zeitdruck nachziehen, dabei den Motor aber von einem Fremdhersteller beziehen müssen. Wer hätte es unter solchen Umständen wohl leichter, alles optimal aufeinander abzustimmen?

Der Platzhirsch: Apples iPad2.

(Foto: AFP)

Eine ähnliche Situation durchleben derzeit die Elektronikfirmen, die versuchen, gegen das iPad zu konkurrieren. Während Apple Hard- und Software selbst in der Hand hat, sind die meisten Konkurrenten abhängig von Googles Betriebssystem Android.

Samsung etwa hat mit dem GalaxyPad 10.1 ein Tablet gebaut, das noch dünner und leichter ist als das von Apple. Obwohl hardwareseitig gut ausgestattet, ist der Gesamteindruck dennoch gemischt. Man mag dergleichen als unwichtig abtun, aber selbst auf dem gut gelungenen Samsung-Pad, das mit Googles Android läuft, ist ein leichtes Ruckeln zu sehen, wenn man den Inhalt des Start-Bildschirms verschiebt. Löscht man eine Mail, verschwindet sie augenblicklich vom Bildschirm.

Bei Apple hingegen hat es zumindest stets den Anschein, dass alles im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos läuft. Da ruckelt nichts und, um beim Löschen einer Mail zu bleiben: Da öffnet sich auf dem iPad erst der Deckel des Miniatur-Mülleimers, dann wird die Mail liebevoll animiert eingesaugt - viele Menschen lieben solche Details nun mal. Apple hat außerdem schon vollzogen, was bei Google erst noch folgen wird: Alle aktuellen Mobilgeräte nutzen dasselbe iOS-Betriebssystem.

Googles Android der Version Honeycomb (Honigwabe), mit der zurzeit fast alle Tablets ausgeliefert werden, ist die erste und zugleich die letzte, die für Tablets optimiert wurde. Die neue - Ice Cream Sandwich - soll künftig auch auf allen Geräten laufen, die Android einsetzen. Dann wäre zum Beispiel Schluss mit dem Aufwand, für jede Bildschirmgröße anders programmieren zu müssen. Das wird die App-Programmierer freuen, denn für die ist es dann leichter und lukrativer, wenn ihre Apps auf einer Vielzahl von Geräten gut laufen.

Doch bis dahin wird noch viel Zeit vergehen. Wer jetzt ein Tablet mit Honeycomb kauft, muss damit rechnen, dass es bis zum Frühjahr dauert, bis der Hersteller die neue Android-Version angepasst hat. Das sind alles Gründe dafür, wieso der Markt an Zusatzprogrammen und anderen Erweiterungen für Android-Geräte nicht so recht in Schwung kommt. Apples iPad ist dagegen eingebettet in ein funktionierendes System aus Musik-, Video- und Lektüre-Angeboten. Das zündet offenbar: Nur etwa jedes vierte Tablet, das 2011 verkauft wird, ist der Beratungsfirma Gartner zufolge kein iPad.

Dabei ist es keineswegs so, dass Android-Geräte nicht für die Basisaufgaben wie Schreiben, Mailen, Surfen und mittlerweile auch für einiges anderes taugen würden. Der Software-Hersteller Adobe etwa hat soeben eine Photoshop-App zur Bildbearbeitung für Android vorgestellt. Die Basics beherrschen sowieso alle Geräte gut, manche, die mit andockbarer Tastatur kommen, empfehlen sich durchaus als Ersatz für Netbooks. Viele halten mit einer Akkuladung ähnlich lange durch wie das iPad, manche übertreffen Apples Gerät sogar in einigen Leistungsmerkmalen.

Von Android-Geräten gibt es außerdem eine Vielzahl von Formfaktoren, angefangen von Geräten mit Sieben-Zoll-Bildschirm bis hin zu Zehnzöllern, dazu noch unterschiedliche Bildseitenverhältnisse. Die meisten der Geräte sind etwas dicker als das iPad2, in der Regel aber billiger. Mit 16 Gigabyte Speicher und UMTS-Funkmodul kostet das iPad 2 etwa 630 Euro, Samsungs Galaxy Pad 10.1 etwa 520 Euro. Motorolas Xoom gibt es mit UMTS und 32 Gigabyte Speicher sogar schon für 440 Euro. Und ständig drängen neue Hersteller auf den Markt wie beispielsweise Huawei, die zunächst über den Preis Fuß zu fassen versuchen.

Für welches Gerät man sich entscheidet, ob man überhaupt ein Tablet braucht, hängt - wenn man es denn rational entscheiden würde - davon ab, wozu man es einsetzen will. Für die Basics und das was Smartphones mittlerweile können, reicht ein gutes Android-Gerät allemal. Aber wer entscheidet schon rational?

© SZ vom 21.11.2011/cag
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