Surface Studio Microsoft wildert in Apples Revier

  • Microsoft hat in New York neue Software und neue Hardware vorgestellt.
  • Das nächste große Update für Windows 10 erscheint im Frühjahr 2017 und bringt unter anderem erweiterte 3D-Funktionen
  • Das Surface Studio ist ein All-in-One-Rechner für Designer und Kreative, der sich in ein riesiges Grafik-Tablet verwandeln lässt.
  • Die Preise beginnen bei 3000 Dollar - damit richtet sich Microsoft an professionelle Anwender, die bislang vor allem mit Apple-Geräten arbeiten.
Von Simon Hurtz

Die Präsentation dauert mehr als zwei Stunden, doch die entscheidenden Momente ereignen sich ganz am Anfang und ganz am Ende. Ein Name und ein Zitat reichen, um das Microsoft-Event am Dienstagabend zusammenzufassen: Das nächste Windows-Update heißt "Creators Update", und Microsoft-Chef Satya Nadella zitiert zum Abschied Rilke: "Die Zukunft zeigt sich in uns - lange bevor sie eintritt."

Beide Momente zusammen beschreiben perfekt, was Gäste und Zuschauer erleben. Der Name des kommenden Updates für Windows 10 besagt: Wir richten uns an Kreative und Künstler. Nadellas Reminiszenz an "einen meiner Lieblingsdichter" steht stellvertretend für all die Buzzwords und Zukunftstechnologien, die im Minutenrhythmus wiederholt werden: 3D, Virtual Reality, Augmented Reality, Mixed Reality, Hologramme - noch nie ähnelte die Bühne eines Tech-Events so sehr dem Holodeck aus Star Trek.

Apple wird morgen neue Macbooks vorstellen - teure Laptops, die dennoch viele Millionen Käufer finden werden. Microsoft hat heute das Gegenteil getan. Die Zielgruppe der vorgestellten Hardware ist klein: Es sind Designer, Entwickler und Kreative, die es sich leisten können, mehrere Tausend Dollar für einen Laptop oder einen stationären Rechner auszugeben. Es sind Produkte, die die Grenze des technisch Möglichen ausloten sollen - die Microsoft aber vermutlich keine Milliardenumsätze bescheren werden.

Die wichtigsten Ankündigungen des Events im Überblick:

Windows Creators Update

Im Frühjahr 2017 erscheint die nächste Version von Windows 10. Microsoft stellt drei Funktionen in den Vordergrund: 3D und Mixed Reality, Gaming sowie soziale Aspekte.

Das kostenlose Update bringt neue Paint- und Powerpoint-Apps. Sie ermöglichen es, dreidimensionale Objekte zu entwerfen und zu animieren. Eine Microsoft-Managerin demonstrierte das anhand einer Sandburg auf der Bühne: Sie scannte das vergängliche Bauwerk mit ihrem Smartphone von allen Seiten aus ein und übertrug es in Paint, wo sie es digitalisiert abspeichern, bearbeiten und mit Freunden teilen konnte. Microsoft zufolge sollen auch iOS- und Android-Geräte dazu in der Lage sein - eine sinnvolle Entscheidung, der Marktanteil von Smartphones mit Windows 10 schrumpft stetig, und von neuen Lumia-Handys war keine Rede.

Mit Microsofts Mixed-Reality-Brille Hololens soll es möglich sein, 3D-Objekte in der echten Welt zu sehen. Man könnte beispielsweise eine Couch in einem Möbelhaus mit dem Smartphone einscannen, nach Hause fahren und sich probeweise virtuell ins Wohnzimmer stellen. Microsoft will aber auch eine Plattform für diese Objekte anbieten: Das Möbelhaus könnte seine Produkte also einfach als 3D-Scan veröffentlichen, die Interessenten zuhause herunterladen und Probe platzieren können.

Das Creators Update beinhaltet Neuerungen für Gamer. Mit dem Streamingdienst Beam können sie ihre Spiele live streamen oder anderen beim Spielen zuschauen. Außerdem will Microsoft die Kommunikation zwischen engen Freunden und Familienmitgliedern erleichtern. Windows-Nutzer können Kontakte bestimmen, die ihnen besonders wichtig sind. Diese werden dann in der Taskleiste angezeigt, sodass man ihnen jederzeit Mails oder Skype-Nachrichten schreiben und ihnen Dateien schicken kann.

Eine der interessantesten Ankündigungen war gut versteckt und nur wenige Sekunden zu sehen. Bislang ist die Hololens die einzige Mixed-Reality-Brille von Microsoft und mit Preisen um 5500 Dollar wohl keine massentaugliche Option. Angeblich entwickeln HP, Dell, Lenovo, Asus und Acer ebenfalls Windows-kompatible Headsets für Mixed Reality, die bereits ab 300 Dollar erhältlich sein sollen. Das könnte der Technologie einen großen Schub bringen. Produktdetails und Verfügbarkeit sind allerdings noch nicht bekannt.

Surface Book i7

Der ohnehin schon "ultimative Laptop" wird noch ultimativer. So könnte man die offensichtliche Begeisterung von Microsoft-Manager Panos Panay zusammenfassen. Das Surface Book wurde im vergangenen Jahr als damals tatsächlich revolutionärer Mix aus Tablet und Laptop vorgestellt. Jetzt sei das Gerät von Grund auf neu designt worden. Das bedeutet: Core-i7-Prozessor, 16 Stunden Akkulaufzeit und doppelte Grafikleistung im Vergleich zum Vorgänger (dreimal mehr als das Macbook Pro von 2015, der Seitenhieb durfte nicht fehlen - allerdings folgen morgen neue Macbooks).

Äußerlich bleibt aber fast alles gleich, die Umbauarbeiten betreffen wohl vor allem die Kühlung, den Lüfter und das restliche Innenleben. Unverändert bleibt auch der hohe Preis: Die Modelle mit i7-Prozessor kosten im US-Store zwischen 2400 und 3300 Dollar, in Deutschland ist das überarbeitete Surface Book für Anfang 2017 angekündigt.

Surface Studio

Der neue All-in-One-Rechner ist eindeutig der Star der Keynote, auch der bekannte Tech-Analyst Ben Thompson scheint relativ beeindruckt.

Optisch erinnert der 28-Zoll-Bildschirm sehr an einen iMac, die verbauten Komponenten sind allerdings deutlich moderner: Intel Core i5 oder i7 Prozessor, acht, 16 oder 32 Gigabyte Arbeitsspeicher, Hybrid-Festplatten mit einem oder zwei Terabyte Speicherplatz, eine HD-Webcam, 2.1 Lautsprecher und zahlreiche Anschlüsse klingen auf dem Papier gut (hier finden Sie die kompletten Spezifikationen).

Beim Surface Book war Panay begeistert, beim Surface Studio war er euphorisiert. Nun gehört es zum Job von hochrangigen Managern, die Produkte ihres Arbeitgebers auf großen Bühnen in höchsten Tönen zu loben - tatsächlich hat Microsoft mit dem Surface Studio aber ein Gerät geschaffen, das in dieser Form derzeit einzigartig ist.

Das riesige Touchdisplay mit extrem dünnen Rand (12,5 Millimeter) löst mit 4500 mal 3000 Pixel auf und deckt unterschiedliche Farbräume ab. So können Fotografen und Videoproduzenten mit einem Klick zwischen DCI P3 und sRGB wechseln. Für die meisten Privatnutzer spielt das keine Rolle, für professionelle Anwender sind es aber essentielle Funktionen.

Die dürften auch Flexibilität und Vielseitigkeit des Monitors überzeugen. Der Bildschirm lässt sich schräg stellen und in unterschiedlichen Neigungen fixieren. So wird aus einem gewöhnlichen Display ein Grafik-Tablet, auf dem Designer mit einem Surface Pen schreiben und zeichnen können. Zusätzlich gibt den Surface Dial, einen Drehknopf, der in Größe und Form einem Eishockey-Puck ähnelt. Damit kann man etwa zoomen, durch Dokumente scrollen oder während des Zeichnens die Farbe des Stifts ändern. Der Dial ist auch mit älteren Produkten der Surface-Serie kompatibel, also Surface Pro 4 und dem Surface Book 2015.

100 Dollar für einen runden Knopf dürften viele als teuer empfinden - im Vergleich zum Surface Studio ist der Surface Dial aber ein Schnäppchen. Die Preise für den All-in-One-PC beginnen bei 3000 Dollar. Das Spitzenmodell mit maximaler Ausstattung kostet 4200 Dollar. Die neuen Produkte fehlen bislang im deutschen Store, angeblich sind Vorbestellungen aber ab sofort möglich. Die ersten Geräte sollen vor Weihnachten ausgeliefert werden; ob das auch für Deutschland gilt, ist unklar.