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Streamingseite Redtube:Umstrittenes Gutachten der Abmahner

In den Beschlüssen (AZ 214O190/13 und 228O173/13) heißt es, die ordnungsgemäße Ermittlung der IP-Adressen sei "nicht hinreichend glaubwürdig gemacht". Für die Richter sei "derzeit auch nicht erkennbar, wie das eingesetzte Ermittlungsprogramm in der Lage sein soll, die IP-Adresse des Downloaders zu erfassen". Der Nutzer kommuniziere ja nur mit dem Server, auf dem der Film liege, und es sei unklar, "wie das Programm in diese zweiseitige Verbindung eindringen kann".

Ausgerechnet jene Richter, die sich mit den Abmahnungen eingehend befasst haben, glauben also, dass die Abmahner kaum ordentlich gearbeitet haben. Vorsichtig ausgedrückt. Andere Juristen sind weniger zurückhaltend und verdächtigen das ganze Abmahnnetzwerk um Urmann des "bandenmäßigen Betrugs".

Gut möglich, dass selbst die Abmahner ahnen, wie wenig ihr Gutachten wert ist. Soweit ersichtlich, hat zumindest der Berliner Rechtsanwalt Daniel Sebastian, der für Urmann + Collegen mit dem Gericht in Kontakt war, das Gutachten nur auf richterliche Nachfrage herausgerückt. Üblich wäre es dagegen, ein solches Schriftstück von selbst allen Akten beizulegen.

Experten bezweifeln seriöse Vorgehensweise

Die Kölner Richter prüfen derzeit, ob das vollständige Gutachten wenigstens Journalisten zur Verfügung gestellt werden kann. Tatsächlich warten nicht nur Reporter und Juristen auf das Schriftstück, auch Techniker sind interessiert an der Frage, ob Videostreaming tatsächlich so überwacht werden kann, wie die Abmahner um Urmann das vorgeben. Bislang halten auch Experten eine seriöse, rechtlich einwandfreie Vorgehensweise für ausgeschlossen.

Thomas Urmann dagegen schließt humorvoll, wie es seine Art ist, gar nichts aus, schon gar nicht, weitere Abmahnungen zu verschicken. Ein bisschen unsicherer als zuletzt klingt er aber doch, wenn er sagt, er werde sich kommende Woche mit "The Archive", seinem Mandanten, besprechen, "und dann werden wir sehen, wie wir jeweils weiter vorgehen." Derzeit allerdings verschicke er keine Abmahnungen, sagt Urmann, dabei hatte er noch im Dezember versprochen, seine Briefe munter weiter durch die Republik zu senden.

Jetzt ist er auch noch mit anderen Problemen beschäftigt, zum Beispiel mit der Frage, ob sein Mandant, "The Archive", überhaupt die Rechte an den Streifen hält. Auch daran gibt es mittlerweile begründete Zweifel, denn die Rechte an den simplen Sexfilmchen wurden so oft verkauft, dass unklar ist, wem sie überhaupt gehören. Urmann wendet auch da sein bewährtes Prinzip an. Nichts ausschließen: "Wenn da irgendwo in der Kette ein vorsätzlicher Fehler Dritter ist, kann man das schwerlich unserem Mandanten anlasten." So einfach ist das für ihn. Aber Internetnutzer erst mal zur Kasse bitten - das geht offenbar schon.