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Streaming-Dienste:Musikbranche sucht nach tragfähigen Konzepten

Mehr für die Musikindustrie geleistet hat Apple. Der Computerkonzern ist mittlerweile auch der größte Musikhändler der Welt. Er überzeugte die Granden der Branche davon, dass sie ein Modell brauchen, mit dem sie in der digitalen Welt überleben können, wo die völlig identische Kopie immer nur einen Klick weit entfernt ist.

99 Cent für ein Lied, 9,99 Dollar für ein ganzes Album, das ist zwar weniger als früher, als die Single CD noch für 4,99 verkauft wurde. Doch es bleibt ein substanzieller Betrag übrig, für Labels und Künstler. An einem Album-Download für 9,99 verdient der Künstler einer britischen Erhebung zufolge immerhin noch knapp zehn Prozent. Würde er die CD selber pressen lassen, wären es zwar achtmal soviel - nur hätte er damit nicht im Ansatz die weltweite Präsenz wie sie ihm Apple oder Amazon bieten können.

Während man jedoch bei Apples iTunes oder anderen Download-Anbietern die Datei herunterlädt, bei sich speichert und sie auch vervielfältigen kann, taucht man bei den Streaming-Diensten in den musikalischen Fluss ein, schöpft aber - zumindest offiziell - nichts ab. Die Dienste haben daher mit den Labels andere Vereinbarungen ausgehandelt.

Wird ein Lied als Datenstrom verschickt, bezahlt beispielsweise Spotify im Durchschnitt etwa 0,0017 Dollar an die Plattenfirma, der Künstler erhält davon 15 Prozent, also 0,000255 Dollar. Damit ein Künstler den Mindestlohn von 1160 Dollar im Monat verdient, müsste sein Song in diesem Zeitraum knapp 4,55 Millionen Mal gestreamt werden.

Die Geschichte wird die Fragen beantworten

Dass Künstler abseits des Mainstreams so nicht reich werden, ist völlig klar. Doch die kleinen Labels beobachten noch eine andere Entwicklung. Da mit dem Aufkommen der Streaming-Dienste gegen eine geringe Gebühr quasi die Popmusik als Ganzes über das Netz zur Verfügung steht, sinkt ihrer Erfahrung nach die Bereitschaft der Kunden, diese Musik als CD oder Download zu kaufen.

Zwar ist es noch keineswegs so, dass man etwa im Auto oder in der Bahn unterbrechungsfrei Musik von Streaming-Diensten nutzen könnte, auch die auf ein bestimmtes Volumen begrenzten mobilen Datentarife lassen das noch nicht zu. Doch die Musik lässt sich eben auch vergleichsweise leicht abgreifen, somit doch wieder speichern und - was mittlerweile sehr gerne gemacht wird - im Freundeskreis mittels externer Festplatten gleich gigabyteweise tauschen.

Während somit die Frage nach einem tragfähigen Konzept für die Musikbranche immer noch offen ist, stellt sich die nach der Wirkung des Internets auf die Musik als solche erneut mit großer Dringlichkeit. Was bedeutet es, wenn die gesamte verfügbare Musik nicht bloß irgendwo gespeichert, sondern auf Klick abrufbar ist? Was folgt daraus, dass es unabhängige Musik, Musik abseits des Mainstreams kommerziell schwer hat? Diese Fragen wird erst die Geschichte beantworten.

© SZ vom 23.11.2011/joku
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