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Störerhaftung:"Wardriver" hacken Wlan-Router

Ein besonderer Umstand erschwerte in diesem Fall die Beurteilung der Wlan-Sicherheit: Das Passwort des Alice-Routers der Beklagten war entgegen der Produktbeschreibung alles andere als individuell. Dem Hersteller war ein Fehler unterlaufen.

"Die Alice-Router mit den Modellnummer 6431, 4421 und 1421 besaßen Passwörter, die durch einen Algorithmus miteinander verknüpft waren" erklärt Sicherheitsspezialist Hanno Heinrichs, der 2014 die Sicherheitslücke entdeckte und öffentlich gemacht hatte. Hunderttausende Router waren betroffen. "Der Algorithmus basierte auf der MAC-Adresse des Routers, welche öffentlich zugänglich ist. Diese wurde verknüpft mit einer Seriennummer, wovon lediglich 3 Ziffern unbekannt waren." Das habe die Zahl der möglichen Passworte auf 1000 Möglichkeiten reduziert. Mit einfachen Gratisprogrammen und "rudimentärem Programmierverständnis" hätte man sich Zugang verschaffen können, sagt Heinrichs. "Wardriver" nennt man solche Wlan-Hacker.

Der BGH sagt nun: Die Beklagte habe keinen Anlass gehabt, die Passwortsicherheit anzuzweifeln. Erst rund ein Jahr nach dem Hack informierte der zuständige Netzbetreiber O2-Telefonica seine Kunden über die Sicherheitslücke.

Mit der Störerhaftung mussten sich deutsche Gerichte in den vergangenen Jahren öfter beschäftigen. Die Kernfrage: Wer haftet, wenn jemand über einen fremden Wlan-Anschluss gegen Urheberrecht verstößt, etwa Blockbuster zum Tausch anbietet? Der Anschlussinhaber - der sogenannte Störer, auf dessen IP-Adresse die Tat zurückzuführen ist - oder der eigentliche Täter? Das Feld blieb eine Grauzone. Das Urteil vom Donnerstag lässt auf mehr Klarheit hoffen.

Allerdings müssen Anschlussinhaber nach wie vor nachweisen, dass ihr Wlan gehackt wurde, was schwierig ist. Anwalt Bohne sagt: "Massenabmahnungen sind weiterhin ein Geschäftsmodell." Das aktuelle Urteil jedoch sei ein wichtiger Schritt.

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