Tochter von Steve Jobs "Für ihn war ich der Schandfleck"

"Für ihn war ich der Schandfleck auf einem Bild vom spektakulären Aufstieg", schreibt Lisa Brennan-Jobs.

(Foto: Lisa Brennan-Jobs/CC BY 3.0)
  • Lisa Brennan-Jobs ist die älteste Tochter des Apple-Gründers Steve Jobs. In einem Buch schreibt sie nun über das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater.
  • Anhand von Kindheitserinnerungen schildert sie, warum die Beziehung zu ihm bis zuletzt so widersprüchlich war.
  • Steve Jobs hatte nach ihrer Geburt sogar behauptet, sie sei nicht seine Tochter.
Von Ekaterina Kel

Es ist sicher nervig, wenn alle immer bloß über einen reden, man selbst aber niemals den Ton setzen kann. So muss es wohl Lisa Brennan-Jobs lange Zeit ergangen sein.

Sie ist die erste Tochter eines der berühmtesten Menschen der Welt, des Apple-Erfinders Steve Jobs. Nachdem jahrzehntelang viel über das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Vater geschrieben worden war, ergreift die heute 40-jährige Brennan-Jobs, die mittlerweile als Autorin und Journalistin in Brooklyn lebt, nun selbst das Wort.

In einer Autobiografie mit dem deutschen Titel Beifang (auf Englisch Small Fry), die am 4. September erscheint, versucht sich Brennan-Jobs an einer detaillierten Zeichnung ihres weltberühmten Vaters. Entlang von Kindheitserinnerungen schildert sie, warum das Verhältnis bis zuletzt so widersprüchlich war.

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Die Zeitschrift Vanity Fair veröffentlichte am Wochenende einen Ausschnitt daraus, der bereits tief blicken lässt. Angefangen bei der Tatsache, dass Brennan-Jobs und ihre Mutter von Sozialhilfe lebten, während Jobs selbst bereits Multimillionär war und in seinem schwarzen Porsche einmal im Monat vorbeikam, um der Tochter einen Besuch abzustatten.

"Du bekommst gar nichts, verstanden?", zitiert Brennan-Jobs ihren Vater und lässt ihn unnahbar und geizig erscheinen. Als sie ihn bittet, ihr einen alten Porsche zu überlassen, in der Annahme, er würde sich wegen eines Kratzers einen neuen holen, bekommt sie eine Abfuhr. "Damals wusste ich, dass er nicht großzügig ist, nicht mit Geld, Essen oder Worten."

Das Buch sei eine Abrechnung mit dem unnachgiebigen Vater, urteilen bereits die ersten Kritiker. Doch ist es vor allem ein Versuch, psychische Wunden durch einen publizistischen Akt heilen zu lassen.

Steve Jobs ist 23, als seine Tochter 1978 zur Welt kommt. Seine Ex-Freundin Chrisann Brennan bringt sie allein zur Welt, Jobs kommt erst Tage später und behauptet, das sei nicht seine Tochter. Erst zwei Jahre später erzwingt Brennan vor Gericht Unterhalt, nachdem ein DNA-Test Jobs Vaterschaft bestätigt. Zuvor sagte er vor Gericht aus, er sei sterilisiert, bekam später jedoch noch drei andere Kinder.

Zwischen deprimierender Armut und unwahrscheinlichem Reichtum

Die Beziehung zwischen Erstgeborener und ihm blieb ambivalent. Jahrelang besucht Jobs die Tochter, sie fahren regelmäßig auf Rollschuhen, roller skates. Sein Verhalten hinterlässt bei ihr ungute Gefühle. "Für ihn war ich der Schandfleck auf einem Bild vom spektakulären Aufstieg", schreibt sie. Dass Jobs sich anfangs nicht zu ihr bekannte, bohrt sich tief bei Brennan-Jobs ein.

Und auch noch Jahre später wurmt sie die Frage, ob der Apple-Computer, den Jobs 1983 entworfen hatte, nur zufällig Apple Lisa oder auch The Lisa heißt oder ob er ihn nach der Tochter benannt hatte. Jobs ließ sich lange Zeit nicht eindeutig darauf festnageln, bis er es dem Sänger Bono gegenüber wohl zugab. Aber es muss auch mal bessere Zeiten gegeben haben: Die Tochter nahm den Nachnamen ihres Vaters mit neun Jahren offiziell an und zog für ein paar Jahre zu ihm und seiner Frau.

Fünf Schauspielerinnen verkörperten Jobs Tochter bereits in drei Filmen. In Jobs-Biografien, in einem Roman ihrer Tante Mona Simpson und schließlich auch in den Memoiren ihrer eigenen Mutter wurden viele Tatsachen bereits genannt. Das Besondere an dem neuen Buch aus der Hand von Brennan-Jobs selbst ist nun die Sicht eines verunsicherten Mädchens auf seine Kindheit, das nicht nur zwischen Mutter und Vater, sondern auch zwischen deprimierender Armut und unwahrscheinlichem Reichtum hin- und hergerissen war. Und die Erkenntnis, dass sie Jobs trotz seiner Härte auch etwas zu verdanken hat: Dieser bezahlte ihr ein Studium in Harvard und am King's College in London. Ob sie am Ende doch noch einen Porsche haben durfte, bleibt offen.

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