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Biographie über Steve Jobs:Minutiös und detailliert

Aber so minutiös und detailliert wie Isaacson sie jetzt unter den Augen des Firmenpatrons aufgeschrieben hat, will und muss man sie gar nicht kennen. Doch weil diese Firmengeschichte so untrennbar mit Steve Jobs verbunden ist, erscheinen die von Isaacson eingeholten Stimmen seiner wichtigsten Wegabschnittsgefährten, seiner Freunde und Gönner, aber auch die seiner Konkurrenten und Feinde, in diesem Kontext viel aufschlussreicher, das Bild des Menschen Steve Jobs zu zeichnen. Denn wesentlich interessanter als die teilweise bislang unbekannten Hintergründe und Details so mancher Entscheidungsfindung des Apple-CEO sind die Facetten des Menschen Steve Jobs.

"Extrem chaotische Persönlichkeit"

Jobs, so klingt jedenfalls das Leitmotiv des Buches, sah sich selber an der "Schnittstelle von Geistes- und Naturwissenschaften." Das ist beschönigend. Denn tatsächlich war der Studienabbrecher weder das eine noch das andere. Er war, so seine Ehe-Frau Laurene, vielmehr eine in Teilen "extrem chaotische Persönlichkeit".

Es ist ein Verdienst von Isaacson, der den Auftrag, diese Biographie zu verfassen, im Jahr 2009 von dem damals schon krankheitsgezeichneten Jobs bekam, die Nachtseiten dieser Person klar und ausführlich zu benennen. Und es ist diese Aufrichtigkeit, welche die positiven Eigenschaften des Steve Jobs darum glaubhaft und nicht schmeichlerisch geschildert erscheinen lassen. Klar, das Buch ist auch eine Hagiographie, aber es handelt eben auch von einem außergewöhnlichen, solitären Leben, das da am 5. Oktober 2011 zu Ende ging.

Isaacson betreibt keine Analyse des Steve Jobs. Dessen Psyche, seine Motivation werden nie am Küchentisch gedeutet. Der Autor erklärt nicht, sondern gestattet sich allenfalls die Kontrastierung von Opponenten, um das Phänomen dieses eigentlich kaum nahbaren Einzelgängers zu illustrieren. Steve Jobs war ein begnadeter Performer, etwa in der Inszenierung seiner Produkteinführungsveranstaltungen, den Keynotes. Aber er war kein Redner. Und das wusste er auch.

So war es mehr als verwunderlich, dass Jobs im Jahr 2005 die Einladung annahm, die Eröffnungsrede für das akademische Jahr an der Stanford Universität zu halten. Jobs, so Isaacson, "bekam Panik". Doch es wurde eine der persönlichsten Ansprachen, die ein Firmenvorstand jemals öffentlich gehalten hat. Denn Jobs erzählte hier die Geschichten seiner großen Niederlagen. Die letzte behandelte seine damals schon dramatische Krebserkrankung. "Eure Zeit ist begrenzt", sagt er. Die Rede schließt mit: "Bleibt hungrig, bleibt verrückt!"

Diese persönlichen Bekenntnisse sind deswegen so bemerkenswert, und Isaacson leistet hier ganze Arbeit, da er dessen nächstes Umfeld immer wieder danach befragt, weil Jobs wohl große Probleme damit hatte, seine Gefühle zu zeigen. So kommt Joan Baez, die berühmte Folksängerin zu Wort, mit der er zu Beginn der achtziger Jahre liiert war: "Er war romantisch und hatte gleichzeitig Angst davor, romantisch zu sein." Walter Isaacson hat mit dieser Biographie ein unaufgeregtes und stimmiges Porträt von Steve Jobs gezeichnet: das eines Individualisten, der zeitlebens auf der Suche war.

WALTER ISAACSON: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers. C. Bertelsmann Verlag, Müchen 2011. 704 Seiten, 24,99 Euro.

© SZ vom 27.10.2011/mri

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