Start-ups in Afrika:Erfolgreiche Gründungen

Dabei waren die ersten Innovationen oft eher Imitate bereits bestehender Anwendungen - eine Art afrikanisches Twitter beispielsweise - und verschwanden bald wieder. Die erfolgreichen Gründungen dagegen sind solche, die spezifisch afrikanische Bedürfnisse erfüllen. Prominentestes Beispiel ist M-Pesa, gegründet 2007: ein System, mit dem man Geld per Handy überweisen kann - in Kenia hat es heute mehr als 20 Millionen Nutzer. Vielen hat es geholfen, Schwierigkeiten des kenianischen Alltags aus dem Weg zu räumen.

Familienväter, die in der Großstadt arbeiten, müssen nicht mehr in den Überland-Bus steigen (und Geld für ein Ticket ausgeben), um nach einer langen und ermüdenden Nachtfahrt ins Heimatdorf die Schulgebühren ihrer Kinder zu bezahlen. Sie laden das Geld als Guthaben auf ihr M-Pesa-Konto, schicken es per Handy an die Telefonnummer ihrer Verwandten, und die können es sich an einem Kiosk in ihrem Dorf in bar auszahlen lassen. Ein wichtiger Teil des Erfolgs-Rezepts: M-Pesa funktioniert, wie viele andere afrikanische Digital-Innovationen auch mit alten Billig-Handys.

Dass Kenia heute in ganz Afrika als Start-up-Standort führend ist, liegt unter anderem an der innovationsfreundlichen Politik der Regierung in Nairobi, die den Sektor fördert. Bei M-Pesa hat beispielsweise die Zentralbank darauf verzichtet, eine Banklizenz einzufordern. Darüber hinaus sieht Ushahidi-Gründer Kobia auch historische und soziologische Gründe für den Erfolg: "Kenia hat seit der Unabhängigkeit stark in Bildung investiert", sagt er. In Kenia könnten im afrikanischen Vergleich viele Menschen lesen und schreiben. "Und Nairobi ist als Standort der Vereinten Nationen und vieler weiterer Organisationen eine der internationalsten Hauptstädte Afrikas. Das sorgt für einen ständigen Austausch an Ideen."

Digital-Boom in Kenia

Die kenianische Regierung will den Digital-Boom im Land weitertreiben - mit ehrgeizigen Plänen: Bei Konza, heute noch eine Kleinstadt, etwa 60 Kilometer von Nairobi entfernt, soll auf einem 5000-Hektar-Areal eine völlig neue Stadt entstehen, genannt Konza Technology City, mit Hochschulen, Rechenzentren und Forschungslabors. Ein Spitzname steht auch schon fest: Silicon Savannah, entsprechend dem kalifornischen Silicon Valley. Bis 2030, so die optimistischen Prognosen, sollen in Konza mehr als 200 000 neue Jobs entstehen.

David Kobia und seine Kollegen von Ushahidi haben kürzlich ihrerseits mit einer neuen Erfindung international Aufsehen erregt: BRCK, ein Modem, das wie ein Backstein aussieht und ähnlich robust sein soll. Es kann sich über verschiedene Kanäle mit dem Internet verbinden - Wifi, Handynetz, Breitbandkabel - und wählt jeweils automatisch den verfügbaren Zugang aus.

Hinter der Entwicklung steckt die Erkenntnis, dass zwar in Afrika eine digitale Revolution in Gang ist und Mobiltelefone längst in entlegenste Dörfer vorgedrungen sind, zugleich aber Internetverbindungen oft noch immer instabil und teuer sind. Warum sich also auf eine Technik aus der industrialisierten Welt verlassen - und nicht eine eigene entwickeln, die den Rahmenbedingungen in Afrika angepasst ist?

Im November soll das Modem auf den Markt kommen. David Kobia hofft auf beträchtliche Exportchancen: "Das Modem ist für widrigste Bedingungen konstruiert, für Leute, die in Entwicklungsländern reisen und arbeiten. Wenn es in Afrika funktioniert, dann wird es in vielen Teilen der Welt funktionieren."

Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme: Was Politiker des Kontinents gerne als Floskel verwenden und dann nur sehr selten mit Inhalt füllen, das erweist sich offenbar immer mehr als Erfolgsformel für eine junge Generation von Unternehmern.

© SZ vom 17.07.2013/mri
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