bedeckt München 22°
vgwortpixel

Start-ups:Airbnb, Reddit oder Dropbox gibt es leider schon

FILE PHOTO: A 3D printed people's models are seen in front of a displayed Airbnb logo in this illustration

Auch Airbnb hat das Programm des Accelerators Y Combinator durchlaufen.

(Foto: REUTERS)

Die US-amerikanische Start-up-Szene kämpft damit, weiterhin neue und gute Ideen zu entwickeln.

Jede Idee wurde schon einmal erdacht. Goethe hat das so ähnlich mal formuliert. Man kann das als einen tröstenden Gedanken ansehen oder als himmelschreiende Ungerechtigkeit empfinden. Immer dann zum Beispiel, wenn man mal wieder realisiert, dass all die vermeintlich superguten Geschäftsideen, die man eben so hat, wenn es dunkel ist im Büro und die Kollegen schon nach Hause gegangen sind, von Menschen mit mehr Wagemut und spitzeren Ellenbogen, als man sie selbst besitzt, längst umgesetzt worden sind.

Zum Glück gibt es Y Combinator. Y Combinator ist so etwas wie die ultimative Ausbildungsstätte in der Start-up-Welt. Man vermenge sämtliche Ivy-League-Universitäten mit Harry Potters Hogwarts, dann kommt man in etwa auf die Anziehungskraft, die der sogenannte Accelerator aus Mountain View, Kalifornien, auf die hoffnungsvollen Gründer der Technologie-Welt ausübt. Hier entstehen Erfolgsgeschichten in Serie, und wer es einmal reingeschafft hat, kann sich eigentlich schon zur Ruhe setzen. Seit der Gründung 2005 wurden mehr als tausend neue Firmen durch das dreimonatige Programm geschleust, die zusammen einen Wert von rund 80 Milliarden Dollar haben. Darunter befinden sich so klangvolle Namen wie Airbnb, Reddit oder Dropbox.

Weil aber wohl auch der Lehrkörper der Kaderschmiede festgestellt hat, dass in den letzten Jahren immer mehr vom Ewiggleichen in den Business-Plänen und Elevator-Pitches steht, waren Mitarbeiter, Mentoren und Alumni in den letzten Wochen aufgerufen, neue Ideen vorzustellen, die sie gerne realisiert sähen, an denen sie aber momentan noch nicht arbeiten. Heraus kam ein schlichter Eintrag auf dem hauseigenen Blog. 13 Start-up-Ideen, stand darüber, mit der Bitte um Realisierung.

Zeitgemäße Technologie für die Feuerwehr?

Wer sich davon nun aber Weltbewegendes verspricht, ein neues Google oder Facebook gar, wird nach der ersten Durchsicht eher enttäuscht sein. Auch die ganz Klugen scheinen von Goethes Fluch betroffen zu sein. Man kann die Vorschläge in klar getrennte Kategorien einteilen: Ein soziales Netzwerk für Kinder, eine Software auf Basis künstlicher Intelligenz, mit der Haustierbesitzer die Gefühlsregungen ihrer Lieblinge dechiffrieren können, und das "kluge Badezimmer", das die Ausscheidungen seiner Nutzer nach Gesundheitsdaten durchforstet, könnte auch als Plotvehikel einer dystopischen Science-Fiction-Kurzgeschichte fungieren.

Die nächste Kategorie könnte "machbar, aber langweilig" heißen: Die Inkassobranche sollte nach Ansicht eines Befragten mal ordentlich durchgerüttelt werden. Schon interessanter ist da Idee einer Versicherung gegen die Reue, die man nach dem Kauf von teuren Gegenständen ja so oft empfindet. Und dann wären da noch die Ideen, die man als "Allgemeiner Konsens" rubrizieren könnte. Nachhaltige Energie durch genmodifizierte Bakterien? Zeitgemäßere Technologie für die Feuerwehr? Klar, sehr gerne - aber wer will dafür schon Risikokapital geben?

Sagen diese Vorschläge etwas über den Start-up-Status-quo aus? Sind sie Ausdruck einer allgemeinen Ratlosigkeit? Oder halt doch die Ideen einer entrückten Elite, die mit den Bedürfnissen der Allgemeinheit nur noch wenig zu tun hat? Vielleicht hat man bei Y Combinator auch einfach nur das Schulmotto vergessen. Es lautet: "Macht etwas, das die Leute haben wollen!"

© SZ vom 20.11.2017
Zur SZ-Startseite