bedeckt München 22°
vgwortpixel

Spielemesse in Köln:Daddeln an Häuserwänden

400 Aussteller aus 30 Ländern: Die Veranstalter der Spielemesse Gamescom, die in einer Woche in Köln startet, wollen Maßstäbe setzen - mit ungewöhnlichen Einfällen.

Die Gewinner präsentieren sich stolz und froh: Stadt, Land und Messe freuen sich auf die Spiele in Köln. Zum ersten Mal wird die Stadt Austragungsort der Computer-spielemesse Gamescom (19. bis 23. August).

400 Aussteller aus 30 Ländern haben sich für die Gamescom angemeldet.

(Foto: Foto: dpa)

Zuvor war die Messe unter dem Namen Games Convention in Leipzig veranstaltet worden - und zwar mit einem derartigen Erfolg, dass andere Messestandorte schon bald mehr oder weniger unverhohlen Interesse an ihr signalisierten.

Schließlich gab der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) den Kölnern den Zuschlag. Und die legen sich nun mächtig ins Zeug und strotzen geradezu vor Selbstbewusstsein. "Ein Feuerwerk der Spiele" erwartet Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver P. Kuhrt.

Er gehe fest davon aus, dass die Besucherzahl von Leipzig übertroffen wird. Dorthin kamen zur letzten Games Convention im vergangenen Jahr 203.000 Menschen.

Für die Kölner Veranstaltung haben sich rund 400 Aussteller aus 30 Ländern angemeldet. "Alles, was Rang und Namen hat, ist dabei. Die Branche tritt komplett an", betont Kuhrt. Auch Nintendo, 2008 in Leipzig nicht am Start, macht wieder mit.

Geringe Hotelkapazitäten

In Leipzig hatten die BIU-Mitgliedsunternehmen zuletzt keine Wachstumschancen mehr gesehen. Die Hotelkapazitäten seien zu gering und die Anbindung an das internationale Flugnetz nicht gut genug, lautete die Kritik. Es habe sogar die Gefahr bestanden, dass die 2002 ins Leben gerufene Veranstaltung ins Ausland abwandert.

Künftig gilt die Kölner Gamescom als neue europäische Branchenleitmesse. Leipzig konzentriert sich nun auf Online-Spiele. Die dort vor zwei Wochen erstmals veranstaltete Spezialmesse Games Convention Online (GCO) zog 74 Aussteller und 43.000 Besucher an - angesichts des Verlusts der Mega-Messe wohl nur ein kleiner Trost.

Auf der Gamescom wollen viele Unternehmen Welt- oder Europapremieren von Spielen präsentieren, die die Messebesucher testen können. Eine wichtige Rolle soll das Thema Jugendschutz spielen. Bei einem vom Land Nordrhein-Westfalen organisierten Fachkongress diskutieren Politiker, Medienwissenschaftler und Branchenvertreter über Chancen und Gefahren von Computerspielen.

Die Gamescom soll sich nicht nur an "Core-Gamer" richten, die regelmäßig zocken, sondern ganz verstärkt auch "Casual-Gamer" anziehen, die nur gelegentlich mal ein Spielchen machen. Um diese Zielgruppe zu erreichen, sei Köln als Standort ideal, meint Kuhrt.

Zigtausende Casual-Gamer

"Wir haben die größte Bevölkerungsdichte in Europa, darum sind zigtausende Casual-Gamer im Umland von Köln erreichbar." Diese Leute seien in der Regel nicht bereit, hunderte von Kilometern zu einer Computerspielemesse zu fahren. Wenn die Veranstaltung aber "um die Ecke" stattfindet, sehe das schon anders aus.

Deshalb legen sich die Messemacher für die Gelegenheitsspieler mächtig ins Zeug. Das Rahmenprogramm auf dem Messegelände dreht sich nicht nur um Computerspiele sondern spricht auch neue Zielgruppen an, "die nicht den ganzen Tag nur vor den Konsolen stehen wollen", wie Geschäftsbereichsleiter Kai Schmude erläutert. So gibt es einen Motorrad-Parcours, Trendsport-Angebote und einen Beach-Club zum Ausruhen.

Abends wird dann ein Teil der Kölner Innenstadt zur Partyzone, dafür wird sogar eine vielbefahrene Hauptstraße gesperrt. Auf Bühnen treten Musiker auf, an Spielstationen können die Gäste nach Herzenslust "daddeln", teilweise dienen dabei sogar die Hauswände als überdimensionaler Bildschirm. "Ganz Köln wird im Spielefieber sein", verspricht BIU-Chef Olaf Wolters.

© Petra Alberts, dpa/cf
Zur SZ-Startseite