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Spielemesse Gamescom:Super Mario verschläft den Trend zum Mobil-Spiel

Computerspiele werden immer häufiger auf dem Handy und über Plattformen wie Facebook gezockt. Davon profitieren kleine Firmen, manch großes Unternehmen läuft hinterher.

Das Programm auf der Spiele-Messe Gamescom in Köln klingt wie der Traum eines jeden Schuljungen: Die weltbesten Starcraft-II-Spieler kämpfen in Halle 9 um den Einzug ins Finale der Starcraft-II-Weltmeisterschaft, der Spiele-Konzern Electronic Arts präsentiert die neueste Version seines Fußball-Spiels Fifa und haufenweise Games in 3D gibt es natürlich auch.

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Mobile Games werden immer wichtiger - das bietet kleinen Spieleherstellern große Chancen.

(Foto: AFP)

Dabei sind Spiele nicht mehr nur etwas für Nerds, die sich stundenlang in ihren Jungszimmern einschließen. "Gaming ist längst kein Nischenphänomen mehr, sondern eine Massenbewegung", sagt Ralph Haupter, Präsidiumsmitglied des Branchenverbands Bitkom. Jeder dritte Deutsche sei bereits ein "Gamer" hat die Bitkom in einer Umfrage herausgefunden.

Dabei ist der klassische Gaming-Markt - also zum Beispiel der Verkauf von Spielekonsolen, aber auch von Software - in Deutschland seit einigen Jahren rückläufig. Der Grund: Die Kunden sind immer weniger bereit, den vergleichsweise hohen Preis für Videospiele oder immer neue Konsolen zu zahlen.

Der Markt ist, so gibt man bei Bitkom zu, teilweise gesättigt. Stattdessen spielen die Leute verhältnismäßig günstige oder sogar kostenlose Spiele bei Facebook. "Social Games boomen und haben sich innerhalb eines Jahres auf 24 Prozent verdreifacht", sagt Haupter. "Dabei handelt es sich meist um kostenlose Gelegenheitsspiele in sozialen Netzwerken, bei denen die Interaktion mit anderen im Vordergrund steht."

Es ist aber noch ein anderer Trend, der die Gamescom dieses Jahr dominiert. Die am häufigsten genutzten Geräte beim Daddeln sind nicht mehr PC und Spielkonsole, berichtet Haupter weiter. Stattdessen spielen die meisten Menschen auf dem Smartphone. "Das ist immer bereit, in der U-Bahn, im Wartezimmer - wo man auch gerade ist." Haupter ist sich sicher: "Mobile Gaming ist der Markt der Zukunft."

Die Kleinen profitieren

Von beiden Entwicklungen - Social und Mobile Gaming - profitieren im Moment nicht unbedingt die Branchengrößen, sondern kleine, agile Entwickler: Anbieter wie Zynga und Wooga, Bigpoint und Gameforge. Ihre Titel glänzen zwar nicht mit einer fotorealistischen Optik oder einem komplizierten Plot.

Sie locken aber im Fall der Social Games damit, dass die Spieler sich mit ihren Freunden vernetzen können, etwa bei Facebook-Spielen wie "Farmville". Gerade Frauen gefällt das Miteinander der Social Games. Und die Spiele kosten nichts: Die Anbieter kassieren nur für virtuelle Extras. Das lohnt - wenn die Reichweite groß genug ist.

Auch das Geschäft mit den Spiele-Apps wächst. So haben rund vier Millionen Deutsche diese kleinen Programme im vergangenen Jahr genutzt, 13 Millionen Spiele wurden auf Smartphones und Tablet-PCs heruntergeladen. Die weltweite Vermarktung der Spielchen über das Internet bietet kleinen Programmierern eine Chance auf den Einstieg in die Gaming-Szene.

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