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Twitch:Youtuber kassieren kräftig für Schleichwerbung

Weil Videos ihrer Produkte im Internet ein gigantisches Marketingwerkzeug für die Spielebranche sind, halten die Stars von Twitch und Youtube dafür ordentlich die Hand auf. Sie sprechen zwar nicht darüber, welche Beträge sie in Rechnung stellen, um ein bestimmtes Spiel zu spielen. Ein Brancheninsider berichtet aber, dass ein deutscher Youtube-Star mit mehr als drei Millionen Abonnenten für eine kurze Erwähnung eines neuen Spiels eine knapp sechsstellige Summe verlangte. Für einzelne Veröffentlichungen auf Twitter oder dem Kurznachrichtendienst Snapchat sollen die Social-Media-Größen in Deutschland demnach angeblich Rechnungen in Höhe von mehr als 10 000 Euro verschicken.

Aber auch für kleine Firmen, die sich solche Summen für gezieltes Marketing auf Videoplattformen nicht leisten können, sind die Plattformen Twitch, Youtube und Beam immer wichtiger geworden. Viele von ihnen berücksichtigen schon bei der Entwicklung die Darstellung bei den Streamingdiensten. Auf Sonys aktueller Spielekonsole, der Playstation 4, ist die Twitch-Software bereits vorinstalliert. Hier kann jeder Spieler - eine ausreichend schnelle Internetverbindung vorausgesetzt - innerhalb weniger Sekunden selbst zum Twitch-Streamer werden, also der Welt zeigen, wie er ein Spiel spielt.

Mitmach-Fernsehen à la 9Live - nur weniger trashig

Aber nur mit Zuschauen ist es nicht getan: In den vergangenen zwei Jahren wurden immer wieder sogenannte "Twitch Plays"-Kanäle besonders populär. Hier konnten Zuschauer über Befehle per Text-chat den Spielverlauf des Streamers direkt beeinflussen. Diese Experimente beruhten aber auf Programmen, die von den Nutzern selbst geschrieben wurden.

Angesichts ihres Erfolgs setzt Twitch auf sogenannte "Stream First"-Spiele, also Spiele, die speziell für die Liveübertragung entwickelt wurden und die Zuschauer ins Spielgeschehen einbinden sollen. Zum Beispiel können sie den Spielern bestimmte Aufgaben stellen, einzelne Spielelemente verändern oder direkt mit oder gegen den Streamer antreten. Aus dem Zuschauer wird dann wieder ein Mitspieler. Gut möglich, dass diese Art des Mitmach-Fernsehens sich als erfolgreicher erweist als einst beim Spartensender 9Live.

© SZ vom 17.08.2016/sih
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