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Soziales Netzwerk:Facebook testet Satire-Hinweis

Ist das Werbung oder Warnung? Links auf US-Satire-Webseiten wie das amerikanische "Postillon"-Vorbild "The Onion" will Facebook künftig deutlich mit dem Wort "Satire" versehen. Damit es nur ja keine Missverständnisse gibt.

Nach dem Halbfinale-Sieg Deutschlands gegen Brasilien meldete die Satirenachrichtenwebsite Der Postillon, ein Kneipenwirt stehe vor dem Ruin, da er versprochen habe, für jedes deutsche Tor eine Runde Schnaps zu spendieren. 62 Gäste lägen mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus, außerdem habe sich der Wirt vom Ausschenken eine Sehnenscheidenentzündung zugezogen. Der russische Staatssender Rossija 24 übernahm das als Tatsachenbericht, andere osteuropäische Medien folgten.

Um solchen Fehlern vorzubeugen, soll Satire zumindest auf Facebook für jeden klar erkennbar gemacht werden. Derzeit experimentiert das soziale Netzwerk damit, Artikel von Seiten wie der US-Satire-Zeitschrift The Onion mit dem Hinweis "[Satire]" zu versehen. Die Warnung soll aber nur bei Vorschlägen erscheinen, die von Facebook selbst stammen. Verlinkte Artikel von Usern oder Beiträge wie auf der Facebook-Seite von The Onion enthalten ihn nicht. Nur die weiterführenden Links in der Box "Ähnliche Artikel" erhalten fortan in den USA die Satire-Warnung.

Derzeit experimentiert Facebook damit, Artikel von Seiten wie der amerikanischen Satire-Zeitschrift The Onion mit dem Hinweis "[SATIRE]" zu versehen.

(Foto: The Onion)

Facebook reagiert laut eigener Aussage auf den Wunsch vieler Nutzer, "Artikel klarer einordnen zu können". Konkrete Pläne für ähnliche Warnungen vor deutschen Satire-Seiten gibt es laut Facebook noch nicht: "Aktuell handelt es sich um einen kleinen Test in den USA," sagte ein Mitarbeiter des Unternehmens auf SZ-Anfrage.

Fraglich bleibt außerdem, wie gut diese Einordnung in der Praxis funktioniert. Als Der Postillon sich am 2. Januar als vermeintlichen Urheber der Meldung bezeichnete, dass Ronald Pofalla in den Vorstand der Deutschen Bahn berufen wird, war für viele klar, dass es sich bei dem Karrierewechsel nur um Satire handeln könne. Es war aber keine. Gegen die Wahrheit hilft manchmal kein Warnhinweis.