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Soziales Netzwerk:Wenn das Silicon Valley Inhalte kontrolliert

Die Veröffentlichung alarmiert die konservativen Nachrichtenseiten, die lautstark protestierten. Auch die einflussreiche Webseite Drudge Report titelte stundenlang mit einem Verweis auf die Gizmodo-Geschichte. Breitbart News sprach davon, eine solche Benachteiligung schon " seit langem vermutet" zu haben. Die Berichte seien eine "entscheidende Erinnerung, wie gefährlich es sein kann, wenn Silicon Valley Inhalte kontrolliert", schrieb auch der Journalist und Snowden-Enthüller Glenn Greenwald, der selbst die politische Rechte in den USA regelmäßig heftig attackiert.

Facebook selbst dementiert die Anschuldigungen: "Facebook ist eine Plattform für Menschen und Perspektiven des gesamten politischen Spektrums." Strenge Richtlinien zur Neutralität erlaubten es nicht, bestimmte Standpunkte zu unterdrücken oder zu priorisieren. Verstießen Mitarbeiter dagegen, sei das ein Kündigungsgrund. Es gebe "keinen Beweis", dass die Vorwürfe zuträfen.

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Allerdings behauptet Gizmodo an keiner Stelle, dass die Beeinflussung vom Konzern Facebook als Ganzem ausgehe. Der Artikel legt nahe, dass das Kuratoren-Team selbst entscheiden kann, was eine wichtige Nachricht ist - und was nicht. Eine einflussreiche Position, in der möglicherweise Mitarbeiter ohne ausreichende Anleitung arbeiten. Die anonymen ehemaligen Kuratoren beschweren sich, ihre Arbeitsbedingungen als journalistische Hilfskräfte seien mies gewesen, sie hätten im Konzern einen besonders niedrigen Status gehabt: "Wir wurden wie Roboter behandelt."

Die Berichte sind auch deshalb interessant, weil Facebook sich bemüht hat, die Existenz des Kuratoren-Teams unerwähnt zu lassen. Als im Help-Center gefragt wurde, wie die Trending-Funktion denn operiere, antwortete der Konzern zwar. Aber keine seiner Antworten ließ erahnen, dass überhaupt Menschen bei der Entscheidung eine Rolle spielen.

Schon als im Januar eine Debatte entbrannte, warum Facebook-Mitarbeiter das soziale Netzwerk Twitter in Überschriften im Trending-Bereich nur als "soziales Netzwerk" aufführten und nicht beim Namen nannten, war die Antwort des Konzerns nebulös. Von einem "Review Team" war die Rede, das aber lediglich sicherstellen solle, Themen akkurat zusammenzufassen. Dass es Nachrichten aussortieren könne, war unklar.