bedeckt München 15°

Snowden-Enthüllungen:Vollständiger Zugang zu Skype

Im Visier der NSA stand auch Skype. Microsoft hatte den Video-Telefonie- und Chat-Dienst 2011 gekauft, der mehr als 660 Millionen Nutzer weltweit hat. Skype verschlüsselt die Sprach- und Videoanrufe zwischen den Nutzern. Die Dokumente zeigen nun, wie wertlos das für die Nutzer ist. So habe die NSA seit 14. Juli 2012 einen kompletten Zugang zu dem Dienst gehabt. Davor konnte der Geheimdienst lediglich den Ton mitschneiden, danach "bekamen sie ein komplettes Bild". "Die gesammelten Skype-Anrufe waren sehr klar und die Metadaten sahen vollständig aus", konstatiert die NSA.

Die Diskussion um Datensicherheit bei Skype war bereits nach der Übernahme durch Microsoft im Oktober 2011 entfacht. Bürgerrechtler befürchteten damals, dass sich die ursprünglich von einem schwedisch-dänischen Unternehmerteam gegründete Firma fortan den US-Abhörgesetzen beugen werde. So hatte unter anderem die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation im Januar 2013 in einem offenen Brief an Microsoft die Sicherheit der Kommunikation angezweifelt.

Das Magazin Bloomberg Businessweek hatte Anfang März die chinesische Version von Skype wegen der Überwachung von politisch sensiblen Wörtern und Sätzen kritisiert. Mircosoft wurde dabei vorgeworfen, 96 Millionen chinesische Skype-Accounts mit einem speziellen Tool zu scannen. Diese Berichte wurden aber immer dementiert.

"Your privacy is our priority"

Einigermaßen bizarr wirkt in diesem Zusammenhang auch die Marketing-Kampagne, die Microsoft im April gestartet hatte. Sie lief unter dem Claim: "Your privacy is our priority".

Allerdings war Skype laut der Snowden-Dokumente bereits vor dem Kauf durch Microsoft in Prism involviert: Seit November 2010 sei die Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst vorbereitet worden.

Microsoft hat stets bestritten, den US-Geheimdiensten freien und direkten Zugang zu gewähren. Kundendaten würden nur nach rechtlich einwandfreier Anforderung durch die Regierung freigegeben. Microsoft gewähre "keiner Regierung pauschal oder direkt Zugang zu SkyDrive, Outlook.com, Skype oder einem anderen Microsoft-Dienst", heißt es von Seiten des Unternehmens.

Aber man sei verpflichtet, den Behörden Möglichkeiten für den Zugang zu Informationen zu gewähren. Und es gebe Aspekte in der Debatte, die man gerne freier diskutieren würde. Deshalb setze man sich für mehr Transparenz ein, damit jedem ermöglicht werde, diese wichtigen Probleme verstehen und diskutieren zu können.