Snapchat-Klon:Neue Facebook-App verschickt Fotos, die sich selbst löschen

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Snapchat-Klon: Nachrichten mit Selbstzerstörungs-Countdown: Facebooks Slingshot-App

Nachrichten mit Selbstzerstörungs-Countdown: Facebooks Slingshot-App

(Foto: Facebook)

Nach einem Countdown verschwinden die Bilder für immer: Die neue Facebook-App Slingshot verschickt Fotos, die vergänglich sind. Warum macht Facebook das?

  • Die neue Slingshot-App von Facebook verschickt Nachrichten, die sich nach ein paar Sekunden von selbst zerstören
  • Slingshot ist zunächst nur in den USA verfügbar
  • Facebook folgt seiner Strategie, sich auf das Smartphone zu konzentrieren und alleinstehende Apps zu veröffentlichen

Wie funktioniert Slingshot?

Im Gegensatz zu klassischen Nachrichtendiensten wie Whatsapp geht es bei Slingshot darum, Bilder und Videos zu schicken, bei denen beide Nutzer wissen, dass sie nach einer gewissen Zeit gelöscht werden. Sich ein Bild im Nachhinein anzuschauen, ist also nicht möglich.

Mit Slingshot können Nutzer ihren Kontakten Fotos und Videos (maximal 15 Sekunden) schicken. Es ist möglich, das Bild zu bemalen oder Text hinzuzufügen. Die Zeichnungen sind auf dem Niveau von Microsoft Paint: eher krakelig.

Wer ist das Vorbild der App?

Die Funktionen von Slingshot klingen sehr nach denen von Snapchat. Auch bezüglich des Designs hat sich Facebook daran orientiert. Es gibt aber einen großen Unterschied: Erhält ein Freund eine Nachricht, so kann er sie nicht automatisch sehen - sie ist verpixelt. Erst wenn dieser Freund ein eigenes Bild zurückschickt, kann er sich die ursprüngliche Nachricht anschauen. Er kann sie dann kommentieren, also ein weiteres Bild oder Video machen, das unter der ursprünglichen Nachricht angezeigt wird. So soll eine Dauerkonversation entstehen, bei der beide Seiten mitmachen.

Was ist der Sinn solcher Nachrichten?

Wer in den Urlaub fährt und mit seinem Smartphone Bilder macht, will diese oft auch ein Jahr später ansehen können. Doch kann Vergänglichkeit Erlebnisse aufwerten. Das haben die Gründer von Snapchat als erste erkannt und erfolgreich in eine App übersetzt (hier eine Analyse zu Snapchat). So erfolgreich, dass sowohl Facebook als auch Google das Unternehmen aufkaufen wollten, heißt es im Silicon Valley. Das Angebot betrug angeblich je zwischen drei und vier Milliarden Dollar. Snapchat lehnte Berichten zufolge aber ab. Offiziell hat sich keines der Unternehmen zu möglichen Übernahmen geäußert.

Was ist die Strategie von Facebook?

Facebook hat ein Problem, das alle Gründer haben. Ihre Firmen sind keine Start-ups mehr, sie sind riesige Unternehmen und also solche schwerfällig. Die Firmen haben Angst, das nächste große Ding zu verpassen - und dass dieses Ding so groß wird, dass es auch einem Riesenunternehmen die Geschäftsgrundlage entzieht. So wie Facebook anderen einstigen Überfliegern wie Myspace ihren Markt Stück für Stück abgegraben hat.

Damit das nicht passiert, übernehmen diese Firmen gerne Start-ups: Facebook kauft die Entwickler der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift, Google kauft einen Satellitenhersteller, Apple kauft Kopfhörer und Facebook wollte Snapchat kaufen. Da das nicht klappte, entwickelten sie die App kurzerhand selbst. Laut der US-Seite Techcrunch geschah das in den vergangenen sechs Monaten, und damit nachdem das Angebot abgelehnt wurde.

Warum hat Facebook die neuen Funktionen nicht in die Messenger-App integriert?

Das hätte der Strategie von Facebook widersprochen, auf alleinstehende Apps zu setzen (mehr dazu hier). Facebook hat aktuell zwei Apps mit Spezialfunktionen. Die Messenger zum Chatten und Facebook Paper, die Nachrichten-App für Neuigkeiten aus dem Freundeskreis.

Facebook ist ein klassisches Desktop-Unternehmen: gebaut und entwickelt für PCs und Laptops. Da Smartphones aber in Zukunft immer wichtiger sein werden, passt Facebook sein Verhalten an. Auf Smartphones haben Apps eine Funktion. Instagram ist nur für Fotos, Vine ist nur für Videos, Soundcloud ist nur für Musik - und Slingshot ist eben nur für Nachrichten, die sich von selbst zerstören.

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