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"Snapcash"-Funktion:Snapchat ermöglicht Geldtransfer zwischen Nutzern

  • Snapchat tut sich mit dem Bezahldienst Square zusammen, damit Nutzer Geld an Freunde schicken können.
  • Die Funktion ist vorerst nur in den USA verfügbar.
  • Der Markt der mobilen Geldtransfers ist äußerst umkämpft.

Was passiert, wenn sich ein schlampiges Genie und ein ewiges Talent zusammentun? Großes. Oder vielleicht auch nichts, das sich in zwölf Monaten nicht wieder abschalten lässt.

Snapchat und der Bezahldienst Square arbeiten künftig zusammen, um über die App für Verschwinde-Botschaften auch Geldtransfers zwischen Freunden abzuwickeln. "Snapcash" nennt sich die Funktion, die allerdings vorerst nur für US-Nutzer über 18 verfügbar ist.

Snapchat ist das schlampige Genie in diesem Deal: Auf den genialen Einfall mit den selbstlöschenden Botschaften und die etwa 100 Millionen aktiven Nutzer ist zwar die halbe Tech-Branche neidisch, allerdings gilt das Start-up nach diversen Daten-Lecks inzwischen weniger vertrauenswürdig als die Panzerknacker-Bande.

Konkurrenz für Venmo

Dass die Zahlungsabwicklung über Square läuft, ist deshalb zunächst keine schlechte Idee. Das Unternehmen von Twitter-Mitgründer Jack Dorsey hat bereits einen eigenen Geldtransfer-Service (Square Cash), der über E-Mail funktioniert. Bösartige Schätzungen ergeben jedoch, dass dieser durchaus praktische Dienst derzeit nur einen Nutzer hat: Dorsey selbst, der sich Millionen aus seinen Twitter-Anteilen hin- und herschickt, während der Rest seiner Firma ihre Zeit mit Hyper-Wachstum im Kerngeschäft, der Fließband-Einstellung von Verkaufspersonal und dem Verbrennen von Geld (hohe Transaktionskosten, Akquise, Büro-Holzofen) verbringt.

Auf dem Markt für mobile Geldtransfers wird es damit noch einmal enger. Ein direkter Konkurrent ist Google Wallet (ungefähr so erfolgreich wie Square Cash), vor allem aber Paypal und dessen Tochter Venmo, die wegen ihrer Sharing-Funktionen gerne von der Generation U-25 verwendet wird. Das wiederum ärgert Snapchat, denn statt sich gegenseitig Selfies und Nacktbilder zu schicken, begleicht diese Klientel nun lieber über Venmo ihre Poker-Schulden bei Freunden. Künftig kann sie mit Snapcash beides, ohne die App zu wechseln (behaupte niemand, die Tech-Branche sei nicht an der Weltverbesserung interessiert!).

Wenn selbst Frankreich das Feld der mobilen "Social Payments" entdeckt, ist etwas im Busch. Dort bietet eine Bank bereits Geldtransfers über Twitter an, womöglich aber nur, weil der Sohn des Bankchefs auch mal eine App basteln wollte. Und im Facebook-Hauptquartier arbeitet dem Vernehmen nach eine schnelle Geek-Eingreiftruppe daran, Bezahlfunktionen in den Messenger zu integrieren, um endlich einen halbwegs akzeptablen Grund für die Auskopplung der Chat-App zu liefern.

App statt Scheck

Apple Pay wiederum fehlt eine solche Funktion zur Überweisung an Freunde; Tim Cook wird sie aber sicherlich bei der Vorstellung des iPhone 6S in einem Jahr als revolutionäre Innovation präsentieren und damit etwa 45 Techblog-Postings mit dem Tenor "Apple hat gerade Snapcash, Venmo, Google Wallet und die globale Finanzindustrie (schon wieder!) zerstört" provozieren.

Doch wer weiß überhaupt, wie die Snapchat-Square-Partnerschaft dann aussieht. Weiterhin halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Konkurrent Paypal an einer Square-Übernahme arbeitet; und Snapchat wird, wie es sich für ein Netzwerk mit explosivem Wachstum gehört, mit diversen Tech-Konzernen in Verbindung gebracht, die in Sachen Social Media aufholen müssen (also mit: fast allen).

In den USA, wo Menschen ihre Miete in der Regel noch per Scheck begleichen, sind Ideen wie Snapcash natürlich eine große Sache. Doch auch manch deutsches Finanzhaus, das sich mit mobiler TAN beim Online-Banking bis zum Jahr 2030 gut aufgestellt sieht, sollte die neuen Bezahlmethoden der Smartphone-Welt besser im Auge behalten.