Smartphone-Ratgeber Digitale Intelligenz als Rettung

Weniger Experten und Anekdoten, dafür mehr Fakten liefert "Generation Smartphone" von Pia Zimmermann. Wer sich als Eltern digitales Wissen erarbeiten will, macht mit diesem Bucht nichts falsch. Die Autorin erklärt die Herkunft des Wortes "posten" genauso wie das Phänomen E-Sport, Game-Design und Gamification sowie Youtube, Facebook und Whatsapp. Sie stellt Programmiersprachen vor, erläutert auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor und gesicherte Kommunikationsnetze wie VPN. Schließlich gibt sie noch Tipps für sichere Passwörter. Das ist ziemlich viel und recht trockener Stoff, aber wer das Buch gelesen hat, weiß zumindest mehr und kann leichter mit seinen Kindern auf Augenhöhe diskutieren.

Wer sich zusammen mit seinen (jüngeren) Kindern in das Thema einarbeiten will, für den gibt es aus der beliebten "Wieso, weshalb, warum?"-Reihe des Ravensburger Verlages seit kurzem den Band "Digitale Welt". Der beantwortet kindgerecht - und damit auch für verunsicherte Eltern geeignet - die Fragen, was denn ein Computer überhaupt sei, wie das Internet und soziale Medien funktionieren, was ein Cyborg ist und ob künftig unsere ganzes Leben digital sein wird.

Wie ausgehungert auf Schokolade stürzen

Keine Angst, dass ihr Sohn als pickeliger und von Pizzakartons umgebener computersüchtiger Alien endet, hat Verena Gonsch. Zusammen mit dem Journalisten Till Raether hat sie "Digitale Intelligenz - warum die Generation Smartphone kein Problem, sondern unsere Rettung ist" verfasst. Wie bei Feibel kommt auch in diesem Buch der Hamburger Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort zu Wort - unter der für viele Eltern wohl provokanten Kapitelüberschrift "Warum Computerspiele besser sind als ihr Ruf". Darin erinnert sich Schulte-Markwort an Eltern, die glücklich warten, ihre Kinder möglichst lange von Süßigkeiten fernzuhalten, nur damit diese sich bei Kindergeburtstagen bei anderen Familien wie ausgehungert auf die Schokolade stürzen. Die Analogie ist klar: Was verboten ist, wird dadurch erst interessant.

Auch hält er die heutige Jugend für sozial kompetenter als frühere Generationen, sie könne sich viel besser ausdrücken. Er rät daher Eltern - als eine Art Mantra - einen Zettel auf den Kühlschrank zu kleben, auf dem steht: "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Kinder durch die Benutzung digitaler Medien dümmer werden oder in der Schule schlechter abschneiden!".

Verena Gonsch fordert Eltern auf, sich der Digitalisierung zu stellen, Unsicherheit, Unkenntnis und jede Menge Vorurteile abzulegen, denn "ein Zurück zur Offline-Welt zu Stockbrot, Lagerfeuer, Cowboy und Indianer wird es nicht mehr geben". Und sie geht in ihren Forderungen an die Eltern noch einen Schritt weiter. Es sei Ihre "Pflicht", die Kinder für die kommenden Herausforderungen der Digitalisierung fit zu machen, sonst blieben sie auf der Strecke und der Standort Deutschland gleich mit.

Diese kapitalistische Verwertungslogik muss man nicht unterstützen, aber es ist angenehm, diesen entspannten, nicht nörgelnden Blick von Verena Gonsch auf Handys, Tablets, Computerspiele und Co. zu lesen. Auch weil Neugier und Interesse der spannendere Weg sind, um mit seinen Kindern durchs Leben zu gehen.

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