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Smartphone Note 7:Bei Samsung brennt es

Mehr als zwei Millionen Note-7-Smartphones muss Samsung wegen brandanfälliger Akkus umtauschen - nicht das einzige Problem des Konzerns. Und dann kommt auch noch Nokia zurück.

Die aktuellen Meldungen über Samsungs Note 7 klingen in diesen Tagen wie aus einem Katastrophenfilm. In New York erlitt ein Sechsjähriger einem Medienbericht zufolge Verbrennungen. Samsungs neuestes Smartphone war in seiner Hand in Flammen aufgegangen. In Florida fing ein Geländewagen Feuer, weil darin ein Note 7 explodierte. In Australien brannte ein Hotelzimmer aus. Schon im August musste in Japan ein Linienflug umkehren, weil ein Smartphone zu rauchen begonnen hatte. Zwei Crew-Mitglieder erlitten leichte Verbrennungen an den Händen. Angeblich soll es sich um ein Note 7 gehandelt haben. Viele Fluggesellschaften haben verboten, das Modell an Bord zu benutzen, in den USA darf es nicht einmal mehr mitgenommen werden.

Ein Fabrikationsfehler im Akku bei einigen wenigen Exemplaren könne dazu führen, dass Anode und Kathode, also Minus und Plus, in Verbindung kommen, erklärt Samsung die Probleme. Das führe zur Überhitzung.

Eigentlich sollte das Note 7 das neue Flaggschiff des Konzerns werden, ein Smartphone, das dem iPhone ebenbürtig ist ( hier ein erster Test). Weil aber einzelne Batterien brannten, stoppte Samsung den Verkauf dann aber vor einer Woche, der bereits in zehn Ländern begonnen hatte, darunter in den USA und Australien. Der Konzern rief die zweieinhalb Millionen bereits ausgelieferten Geräte zurück. An diesem Wochenende forderte der Konzern Besitzer dann auf, die Telefone sicherheitshalber überhaupt nicht mehr einzuschalten. Von nächster Woche an wird Samsung die Geräte austauschen. Die neuen, sicheren Geräte erkennen Kunden an einem kleinen schwarzen Quadrat neben dem Barcode-Etikett und einem Aufkleber mit dem Buchstaben "S".

Das Note 7, das sich im südkoreanischen Heimatmarkt schneller verkaufte als alle bisherigen Smartphones, ist ein sogenanntes Phablet mit einer Bildschirmgröße von 5,7 Zoll. Für diesen großen Bildschirm braucht es einen besonders leistungsstarken Lithium-Akku. Dieser muß jedoch sehr dünn sein, weil das Gerät nur 7,9 Millimeter dick ist, seine Energiedichte deshalb höher als bisher. Der neue Akku hat eine Kapazität von 3500 mAh, das Vorgängermodell hatte nur 3000 mAh.

Samsung Galaxy Note 7

So sieht Samsungs Note 7 aus, solang es intakt ist.

(Foto: dpa)

Der Smartphone-Markt ist schwierig genug für Samsung

Auch ohne die Probleme mit dem Note 7 ist der Markt schwieriger geworden für den Apple-Rivalen. Vor allem der Druck durch die Android-Konkurrenz wächst - er wird Samsung am Ende stärker bedrängen als der Rückruf.

Im Vorjahr hat Samsung den Unternehmen 324 Millionen Smartphones verkauft, 2014 318 Millionen, 2013 316 Millionen. Relativ zu anderen Marken verlor Samsung: Vor drei Jahren betrug der Marktanteil 33 Prozent, heute sind es nur noch 23 Prozent. Während der Markt insgesamt noch wächst, kann Samsung kaum mehr davon profitieren. Die Gewinner sind vor allem chinesische Marken wie Huawei (9,5 Prozent Marktanteil), Vivo und Oppo. Vor zwei Jahren tauchte fast aus dem Nichts Xiaomi als Renner auf. Dazu kommen die kleineren Marken im Hochpreissegment wie HTC aus Taiwan oder Sony.

Apple-Chef Tim Cook hat sich mehrfach damit gebrüstet, sein Unternehmen verdiene viel Geld an Nutzern von Android-Smartphones, die zu Apple überliefen. In Wirklichkeit hält Apple seinen Marktanteil von etwa 15 Prozent nur noch dank China, wo das iPhone ein besonderes Prestigeobjekt ist.

In absoluten Zahlen legen Android-Smartphones am stärksten zu. Und die Branche wartet gespannt auf die Rückkehr von Nokia. Die Finnen, die in China einen hervorragenden Ruf genießen, werden noch in diesem Jahr zwei Android-Smartphones auf den Markt bringen.

Nicht alle Kunden lassen sich von den brennenden Smartphones verschrecken. Einer internationalen Online-Umfrage des Branchendienstes "Android Police" zufolge sagen 39 Prozent der Note-7-Besitzer, der Rückruf habe keinen Einfluss auf ihre Meinung über Samsung. 36 Prozent haben nun sogar mehr Vertrauen in Samsung, weil das Unternehmen schnell und effektiv reagiert habe. 13 Prozent sind misstrauischer geworden, 11 Prozent sagen, sie trauten Samsung nicht mehr. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zumindest schließt daraus: Der Rückruf beeinträchtigt Samsungs Reputation kaum.

Immer wieder Probleme mit Lithium-Ionen-Batterien

Seit es Lithium-Ionen-Batterien gibt, kam es immer wieder zu Zwischenfällen - meist, wenn die Energiedichte in einem nächsten Schritt vergrößert wurde. Vor zehn Jahren mußte Sony sieben Millionen Laptop-Batterien zurückrufen, weil einige zu brennen begonnen hatten. Später mussten mehrere Boeing 787, auch Dreamliner genannt, notlanden, weil ihre Lithium-Ionen-Batterien sich erhitzt hatten. Das Problem wurde behoben.

Samsung hat zwei Drittel der Akkus für das Note 7 von seiner Tochterfirma Samsung SDI herstellen lassen, ein Drittel von Amperex in Hongkong, einer Tochter des japanischen Elektronikkonzerns TDK. Bisher hat Samsung nicht bekanntgegeben, welche Batterien betroffen sind. Südkoreanische Medien berichten allerdings, Samsung wolle vorerst alle Akkus fürs Note 7 von Amperex beziehen. Amperex stellt auch Batterien für das neue iPhone her. Börsen-Analysten schätzen die Kosten für den Rückruf auf etwa 800 Millionen Euro, Samsung selbst äußert sich dazu nicht. Der Börsenkurs des Konzerns gab am Montag an der Börse von Seoul um 0,6 Prozent nach.