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Verbraucherschutz:Wer rettet uns vor dem Handy-Luxus?

Kostet über 1000 Euro: Das Galaxy Note 20 Ultra.

(Foto: Samsung)

Viele Smartphone-Besitzer haben teure Handys, die sie nicht brauchen. Und auch viele Verträge gehen an den wirklichen Bedürfnissen vorbei. Mit etwas Planung ließe sich viel Geld sparen.

Von Helmut Martin-Jung

Benziner, Diesel oder die pseudo-elektrischen Plug-in-Hybride - wie viele davon als Dienstwagen auf Deutschlands Straßen rollen würden, wenn die steuerlichen Regeln dafür nicht so großzügig industriefreundlich gestaltet wären, ist eine interessante Frage. Smartphones liegen preislich ja in einer anderen Kategorie, doch die schmucksten und schnellsten darunter reißen auch ganz schöne Löcher in die Budgets gerade der jungen Zielgruppe. Die steht zwar zu großen Teilen darauf, ein möglichst neues Top-Smartphone zu besitzen, ist aber auch oft knapp bei Kasse.

Nicht jeder hat das - manchmal auch zweifelhafte - Glück, ein Dienst-Smartphone gestellt zu bekommen. Also behilft man sich mit dem, was man als Äquivalent zum Leasing in der Autobranche bezeichnen könnte: Handyverträge, bei denen das neue Smartphone eingepreist ist. Monat für Monat wird also nicht bloß die Gebühr fürs Telefonieren und Surfen fällig, dazu kommt auch noch die Rate für das Gerät.

Wer sich einmal damit beschäftigt hat, einen Vertrag zu finden, der möglichst alle persönlichen Bedürfnisse erfüllt, aber nicht die Welt kostet, wird schnell merken: Das Tarifangebot der Netzbetreiber ist ein Dschungel, in dem das Unterholz des Kleingedruckten nur so wuchert. So mancher hat sich in dem Dickicht schon verloren und Verträge abgeschlossen, die weder günstig waren, noch die Bedürfnisse wirklich erfüllten.

Oder auch übererfüllten. Letzteres kommt sogar ziemlich oft vor, glaubt man einer Erhebung des Vergleichsportals Verivox. Dahinter steckt die Lust am teuren Smartphone, das selber zu kaufen man sich nicht leisten kann oder will. Deswegen erliegen viele der Verlockung von Ein-Euro-Angeboten. Das teure Handy, das im Handel gerne mehr als 1000 Euro kostet, wird dabei scheinbar verschenkt.

Die Angebote sind nicht zwangsläufig unfair

Doch natürlich holen sich die Anbieter ihr Geld von den Nutzern wieder zurück - mit Verträgen, in die der Preis für das Gerät schon eingerechnet ist. Das muss nicht unbedingt teurer sein, als sich das Handy selbst zu kaufen und einen Vertrag ohne Gerät zu wählen. Ein Beispiel: Ein Ein-Euro-Vertrag für das jüngste iPhone, das 12er, kostet knapp über 60 Euro pro Monat, davon gehen rund 40 Euro fürs Smartphone drauf, wenn man Apples Listenpreis zugrunde legt. Bleiben also etwa 20 Euro für den Handyvertrag.

Das ist kein unfaires Angebot, denn der Vertrag schließt - im Mobilfunksektor noch eher ungewöhnliche - 120 Gigabyte an monatlichem Datenvolumen mit ein. Die Frage ist allerdings, ob die Nutzer das auch wirklich brauchen. In den eigenen vier Wänden haben die meisten ja doch einen Festnetzanschluss mit Wlan, die mobile Datennutzung beschränkt sich damit auf die Zeiten, in denen man unterwegs ist.

Klar, wer auf dem Mobilgerät über eine Funkverbindung ein ganzes Fußballspiel guckt, braucht sich übers dahinschmelzende Datenvolumen nicht zu beklagen, Serienjunkies ebenso wenig, und auch soziale Netzwerke nagen - oft genug im Hintergrund - am Datenkonto. Es wird Menschen geben, die zumindest nahe an die 120 Gigabyte mobilen Datenverbrauch pro Monat kommen, für die meisten aber ist das völlig überzogen. Der durchschnittliche mobile Verbrauch beträgt: rund drei Gigabyte.

Schließt also ein solcher Durchschnittsverbraucher den 120-Gigabyte-Vertrag ab, ist er zwar auf der sicheren Seite und muss kaum befürchten, dass es gegen Ende des Monats aus dem Datenhahn bloß noch tröpfelt. Aber eigentlich wäre es weit sinnvoller, sich das Handy zu kaufen und einen viel günstigeren Vertrag mit sechs Gigabyte abzuschließen - er hätte immer noch einen Daten-Puffer in Höhe eines durchschnittlichen Monatsverbrauchs.

24 Monate sind zu lang

Das durchschnittliche Datenvolumen in den Handyverträgen beträgt aber derzeit bereits 23 Gigabyte, wie Verivox ermittelt hat. Nun ist es zwar problematisch, nur mit Durchschnittswerten zu rechnen, denn darin stecken ja Heavy-User, die viel Datenvolumen verbrauchen, genauso wie Menschen, die zwar ein Smartphone haben, es aber kaum oder nur zum Telefonieren nutzen.

Dennoch lässt sich annehmen, dass viele Handynutzer Verträge haben, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Und damit meist auch noch 24 Monate lang festgelegt sind. Da könnte es schon helfen, die Vertragsdauer auf zwölf Monate zu reduzieren, wie die Bundesjustizministerin das vorgeschlagen hat, in anderen Ländern gibt es das längst. Und natürlich sollte auch jeder selbst zusehen, nur das zu buchen, was auch gebraucht wird.

Apropos brauchen: Die Handy-Hersteller trompeten ja immer so lautstark für ihre jeweils jüngsten Geräte, dass es einem fast vorkommt, als wären die Vorjahresmodelle bloß noch Elektroschrott. Dass dem nicht so ist, merken immer mehr Menschen. Viele behalten ihre Handys länger als früher, weil sich von einer Generation zur nächsten so viel eben doch nicht verbessert. Erst nach zwei oder drei Generationen macht sich ein deutlicherer Unterschied bemerkbar.

Wer aufs Geld schauen muss und trotzdem ein ziemlich gutes Handy braucht oder will, guckt sich am besten bei den Vorjahresmodellen um. Die sind immer noch sehr gut, kosten aber ein gutes Stück weniger. Oder man kauft das Smartphone gebraucht - hat der Vorbesitzer darauf einigermaßen aufgepasst, merkt man den Geräten kaum etwas an. Die entsprechenden Händler lassen es in der Regel auch zu, die Smartphones bei Nichtgefallen wieder zurückzugeben. Damit und mit einem Vertrag, der die persönlichen Nutzungsgewohnheiten gut abbildet, lässt sich einiges sparen, ohne groß Verzicht üben zu müssen.

© SZ
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