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Smartphone-Benachrichtigungen:Mein Handy soll endlich die Klappe halten

Internet auf der Toilette

Nirgends hat man seine Ruhe, nicht mal auf der Toilette.

(Foto: dpa)

Ständiges Klingeln, Vibrieren, Blinken: Smartphone-Benachrichtigungen nerven. Vom Versuch, sich davon freizumachen.

Ich liebe mein Smartphone. Und zugleich hasse ich es. Ständig will es etwas von mir: Bei jedem neuem Kommentar, jeder neuen Nachricht, jedem neuen Follower macht es mit einem Pling oder einer Vibration auf sich aufmerksam. Selbst, wenn der Ton aus ist, ist da noch das kleine, grüne Lämpchen, das fordert: Schau mich an! Nimm mich wahr!

Die Flut von Benachrichtigungen treibt mich in den Wahnsinn. Denn jede einzelne suggeriert mir, dass etwas Wichtiges passiert sei. Auf das ich sofort reagieren müsste. Dabei bestehen meine Notifications meistens aus Banalitäten, die mich völlig umsonst aus meinen Gedanken reißen.

Warum sind Notifications so dumm?

Mein Leben wäre viel einfacher, wenn Notifications schlauer wären. Wenn alles, was nicht zeitkritisch wäre, mir alle paar Stunden gebündelt überbracht würde. Wenn ich in einzelnen Apps genauer auswählen könnte, welche Benachrichtigungen ich will: Facebook, bitte schicke mir nur Push-Nachrichten, wenn jemand Geburtstag hat, mit dem ich regelmäßig in Kontakt bin. Twitter, bitte sag nur Bescheid, wenn mir jemand folgt, den ich cool finde.

In manchen Fällen werden Notifications bereits schlauer, aber das zeigt mir erst recht, wie schlecht alle anderen sind. Ich bin froh, wenn Google Now mich erinnert, dass ich gleich das Haus verlassen muss, um pünktlich zu meinem Termin zu kommen, oder wenn ich abends darauf aufmerksam gemacht werde, dass es am nächsten Tag regnen wird. Doch dieser Mehrwert ist die Ausnahme, nicht die Regel. Deshalb habe ich vor einigen Wochen einen für mich revolutionären Schritt gewagt: Ich habe mein Smartphone umorganisiert. Einige Apps sind jetzt komplett weg, andere vom Start-Screen verbannt - und ich habe fast all meine Benachrichtigungen abgestellt.

Facebook: gelöscht, Instagram-Notifications: aus

Wie das genau aussieht? Ich habe keine Facebook-App mehr auf dem Handy und auch keine Handyspiele (Tschüss, Candy Crush!). Mein Start-Screen ist Social-Media-frei. Bei Instagram und Twitter sind die Notifications deaktiviert. Eilmeldungen bekomme ich nur noch von einer Nachrichtenseite. Bei meinen E-Mails sind Benachrichtigungen nur noch bei der wichtigsten Adresse (der für Arbeitsmails und Urlaubsbuchungen) aktiviert, am Wochenende stelle ich auch hier die Notifications ab.

Dass ich so rigoros durchgegriffen habe, hat viel mit zwei Menschen zu tun: Tristan Harris und Kati Krause. Harris ist ein Design-Ethiker, der bis vor kurzem bei Google gearbeitet hat. Er sagt, dass Technologie die Schwächen unseres Geistes ausnutze und unsere Telefone wie Spielautomaten funktionieren. Jede Interaktion sei ein Glücksspiel und weil wir belohnt werden wollen, würden wir immer wieder auf unser Telefon schauen. Das Design der Apps und Geräte, die wir den ganzen Tag nutzen, sei darauf ausgerichtet, uns so lange wie möglich in diesem Teufelskreis zu halten. Kein Wunder also, dass ständig Notifications auf meinem Telefon aufploppen.

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