Smartphone-Anwendungen:Wer mit Apps reich wird

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Der Platz auf dem Smartphone ist hart umkämpft.

(Foto: dpa-tmn)
  • Apple machte aus Kauf und Installation von Apps eine Sache von wenigen Sekunden und wenigen Cents. Und begründete damit einen eigenen Wirtschaftszweig, die "App-Economy".
  • Doch nur wenige Entwickler werden damit reich.
  • Am ehesten schaffen noch Spiele Überraschungserfolge.

Von Mirjam Hauck

Apple hat die App nicht erfunden. Software, die sich nachträglich aufs Handy laden lässt, gab es schon vor dem im Juli 2008 eröffneten App-Store. Allerdings war bis dahin das Prozedere durchaus kompliziert, das Handy musste erst einmal mit dem Rechner verbunden werden und die Software war nicht billig. Apple machte aus Kauf und Installation eine Sache von wenigen Sekunden und wenigen Cents. Und begründete damit einen eigenen Wirtschaftszweig, die "App-Economy".

Die Zahl der Apps schoss in die Höhe, Google zog mit seinem Play Store nach, weitere Anbieter wie Microsoft und Blackberry folgten. Die kleinen Programme wurden zu einem Riesengeschäft. Lag der Umsatz 2011 bei 8,3 Milliarden Dollar, wird er in diesem Jahr laut den Analysten von Gartner bei rund 45 Milliarden Dollar liegen, 2017 sollen es 76 Milliarden Dollar sein.

Branchenriesen profitieren

Von den App-Verkäufen profitieren aber zuallererst die Branchenriesen wie Apple und Google, die circa 30 Prozent der Verkaufserlöse für den Vertrieb einbehalten. Etwa eine Million der kleinen Programme gibt es in den jeweiligen App-Stores. Von den geschätzten drei Millionen Entwicklern hoffen viele auf einen schnellen Gewinn in der jungen Branche. Schnell machte in der IT-Szene das Versprechen die Runde, mit Computer, einem Smartphone und einer schnellen Internetverbindung quasi über Nacht zum Millionär werden zu können.

Vorbilder waren und sind Erfolgsgeschichten wir die der finnischen Spieleentwickler von Rovio, deren Vogel-Abschießspiel "Angry Birds" bis heute milliardenfach heruntergeladen wurde. Oder die Geschichte des US-Entwicklers Loren Brichter. Er entwickelte 2008 die Twitter-App "Tweetie". Den Kurznachrichtendienst gab es damals lediglich als Dienst für den Browser. Für einen Millionenbetrag kaufte das Unternehmen die App dem Entwickler schließlich 2009 ab.

Doch tatsächlich reich werden nur wenige. Nur 1,6 Prozent der Entwickler machen mit ihren Programmen mehr als 500 000 Dollar Umsatz pro Monat. Die Mehrzahl und zwar 88 Prozent müssen sich mit weniger als 10 000 Dollar zufriedengeben.

Das liegt vor allem daran, dass der Markt mittlerweile gesättigt ist und die meisten neuen Apps unter der Wahrnehmungsschwelle der Nutzer liegen. Zwar steigt die Zahl der Smartphone-Besitzer weiterhin an, aber laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte laden 52 Prozent der deutschen Nutzer keine Apps mehr herunter. Die US-Marktforschungsfirma Comscores ermittelte, dass zwei Drittel der US-Smartphone-Nutzer genau null Apps pro Monat herunterladen. Und wenn sie nicht gerade telefonieren, verbringen sie ihre Zeit mit den drei Lieblingsapps.

E-Mail, Wetter, Messenger

Zu den meistgenutzten Mini-Programmen gehören weltweit E-Mail-Angebote, Wetter - und Weckerdienste, Messenger wie Whatsapp oder soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter. Ebenfalls beliebt sind noch Nachrichten, Fotografie-Apps oder Musikdienste wie Spotify . Gegen diese etablierten Programme großer Anbieter kommen viele Neuerscheinungen nicht an. Wer noch keinen Platz auf dem Smartphone hat, tut sich immer schwerer.

Am ehesten schaffen noch Spiele Überraschungserfolge, mit ihnen lässt sich derzeit auch noch am meisten Geld verdienen. Hier werden 80 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt. Sei es über kostenpflichtige Angebote, über In-App-Verkäufe, die dem Spieler beispielsweise mehr Fehlversuche ermöglichen oder über In-App-Werbung. Der vietnamesische Entwickler Dong Nguyen erlöste mit seinem kostenlosen Erfolgsspiel "Flappy Bird" 2014 einige Wochen lang so rund 50 000 Dollar am Tag - bis er das Spiel aus den App-Stores nahm. Der schnelle finanzielle Erfolg war für Nguyen zu viel geworden.

© SZ vom 13.05.2015/mri
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