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Skandal um Datenmissbrauch:Deutsche Datenschützer wollen Facebook prüfen

Social Media - Facebook

Über Apps erlaubten Facebook-Nutzer oft auch einen Zugriff auf die Daten ihrer Freunde.

(Foto: dpa)
  • Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar will die Facebook-Schnittstellen datenschutzrechtlich prüfen.
  • Über diese erlaubten Nutzer oft auch einen Zugriff auf die Daten ihrer Freunde - ohne deren explizite Zustimmung.

In den USA hat die Verbraucherschutzbehörde FTC eine offizielle Untersuchung gegen Facebook eingeleitet.Großbritanniens Datenschützer haben Ermittlungen angestrengt. Die EU will Mark Zuckerberg befragen. Und jetzt wollen auch in Deutschland Datenschützer die Vorgänge rund um die 50 Millionen abgeflossenen Nutzerdaten an Cambridge Analytica untersuchen.

Wie zunächst heise.de berichtet hat, kündigte Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar an, dass seine Behörde die Facebook-Schnittstellen datenschutzrechtlich prüfen wolle. Denn vielen Nutzern sei nicht bewusst, dass Facebook weitere Schnittstellen biete, über die Dritte ihre Profilinformationen abgreifen könnten.

Unsichtbare Entblößung

Über diese erlaubten Nutzer oft auch einen Zugriff auf die Daten ihrer Freunde. Anbieter der Apps würden damit umfassend Zugriff auf persönliche Daten auch der befreundeten Profile erhalten - ohne explizite Zustimmung der Nutzer, die darüber nicht einmal informiert würden. "Diese Entblößung, die für den Großteil der Nutzer völlig unsichtbar über ihre eigenen Freunde entsteht, ist alarmierend. Es macht Freunde, denen erhöhtes Vertrauen entgegengebracht wird, zu potentiellen Komplizen des Datenmissbrauchs."

Zwar lasse sich, so Caspar, der Datenumfang begrenzen, den Apps aus dem eigenen Profil auslesen können, wenn man sich zu der entsprechenden Stelle tief in den Einstellungen vorarbeitet. Standardmäßig ist allerdings der Zugriff für Apps anderer Nutzer auf fast alle Informationen zugelassen. Lediglich die auch in den USA brisanten Datenfelder zur sexuellen Orientierung oder zu religiösen und politischen Einstellungen sind nicht voraktiviert.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte ist der Ansicht, dass eine explizite Einwilligungserklärung ("Opt-in") durch den Nutzer notwendig sei, bei der die entsprechenden Felder aktiv ausgewählt werden müssen. Dies ist auch Bestandteil der neuen Datenschutz-Grundverordnung, die in Europa am 25. Mai in Kraft tritt und somit für alle europäischen Facebook-Nutzer gilt.

© SZ.de/mri/jsa
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