Sicherheit im Internet:Falsches Bild von der Gefahrenlage

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Viele Anwender hätten ein falsches Bild von der Gefahrenlage im Netz, sagt man auch bei Symantec: "Es ist noch in vielen Köpfen drin, dass man dubiose Seiten besuchen muss, um sich mit Malware zu infizieren", sagt Symantec-Sicherheitsexperte Lars Kroll. Dabei kann heute auch von unverdächtigen Internetangeboten eine Bedrohung ausgehen. Immer dann nämlich, wenn die Server von Angeboten wie Online-Shops oder Wetterdiensten Schwachstellen aufweisen. Über sie können Cyberkriminelle schädlichen Programmcode einschleusen. Bei 77 Prozent der legitimen Angebote gebe es solche Schwachstellen, mutmaßt der neueste Sicherheitsbericht von Symantec.

Dennoch dürfte auch weiterhin gelten: Wer sich auf der Suche nach der neuesten "Game of Thrones"-Folge durch zig mit Werbebannern verseuchte Streaming-Seiten klickt, hat ein höheres Risiko, sich böse Software einzufangen als jemand, der nur die Homepage seiner Bank besucht. Einfallstore für die Schädlinge bieten in diesem Fall die Internetbrowser und darin installierte Zusatzprogramme. Allein der Open-Source-Browser Firefox besteht aus mehreren Millionen Zeilen Programmcode. Kein Wunder, dass sich darin immer wieder Schlupflöcher finden.

Daneben beobachten Internetexperten immer ausgefeiltere Versuche, Nutzer mit Spam-E-Mails auf dubiose Internetseiten zu locken, wo sie dann aufgefordert werden, ihre Zugangsdaten einzugeben. Früher kamen die Mails in gebrochenem Deutsch daher. Heute sind sie mitunter kaum von einer Versandbestätigung von Amazon zu unterscheiden - und führen dann auf eine Internetseite, die der des Internetversandhauses bis ins Detail nachempfunden ist.

Automatisches Risiko

Derartige Betrugsversuche lassen sich praktisch nicht verhindern. Für das Internet gilt eine ähnliche Binsenweisheit wie für den Straßenverkehr: Teilnehmer gehen automatisch ein Risiko ein. Dessen muss man sich zum einen bewusst sein. Man kann es auch als eine Art Bürgerpflicht betrachten, dieses Risiko zu minimieren. Was auf der Straße umsichtiges Fahren ist, ist im Internet ein verantwortungsvoller Umgang mit dem eigenen PC: Wer nicht regelmäßig Virenscanner und Software updatet, in den dunklen Ecken des Netzes herumsurft und nie seine Festplatte mit Anti-Malware-Scannern wie dem EU Cleaner untersucht, wird schnell zur Gefahr für sich selbst - und auch für andere. Etwa dann, wenn das eigene Postfach anfängt, Spam-E-Mails zu verschicken.

Das Gemeine: Früher ruckelte das Betriebssystem, wenn man Opfer einer Attacke wurde. Heute bekommen Nutzer oft gar nicht mit, dass ein aufploppendes Werbebanner gerade ein kleines Programm ausführt und schädliche Software auf die Festplatte spielt. Der Schaden ist am Ende in der Regel nicht so groß wie bei einem Autounfall. Teuer kann es trotzdem werden - zum Beispiel wenn Kriminelle die Rechner von Internetnutzern mittels Malware kapern und sie erst wieder gegen ein "Lösegeld" freigeben. Eine Form des Internetbetrugs, die in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat.

Wer daran etwas ändern will, muss sich gegen eine Allianz aus Ahnungslosigkeit und Bequemlichkeit stemmen. Für viele Nutzer wird Internetsicherheit das nervende Popup-Fenster des Virenscanners und dieses doofe Windows-Update bleiben, das immer wieder ungefragt Arbeit oder Vergnügen blockiert. Was auf Festplatten und in Glasfaserkabeln passiert, ist mit den Sinnen nicht mehr zu fassen - den Lkw sieht man kommen, der Keylogger legt sich unsichtbar zwischen die Tasten.

Die Regierung könnte dabei helfen, noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. "Der 7. Sinn" fürs digitale Zeitalter, wie ihn etwa Pohlmann fordert, wäre da nur eine Möglichkeit. Tatsächlich tat sich Ex-Verkehrsminister Ramsauer 2012 mit der Bemerkung hervor, er wolle das Format wieder ins Fernsehen bringen - allerdings um die Sitten der deutschen Autofahrer zu verbessern. Sein Nachfolger, "Internetminister" Alexander Dobrindt (CSU), könnte den Gedanken ja nun weiterspinnen.

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