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Sicherheit bei Smartphones:Die Hersteller haben sich das Problem selbst eingebrockt

Das Problem ist selbstverschuldet. Jeder Hersteller besteht darauf, Android nach eigenem Gutdünken anzupassen. Sie installieren unnötige Zusatz-Software, sogenannte Bloatware, verändern die Oberfläche von Android und überfrachten sie mit Sonderfunktionen. Ob das zum versprochenen "verbesserten Nutzungserlebnis" führt, ist Geschmackssache. In jedem Fall führt es zu Sicherheitsrisiken. Sicherheitsforscher von Google haben die Software untersucht, die Samsung auf dem Galaxy S6 Edge einsetzt. Nach einer Woche hatten sie elf gravierende Lücken gefunden, die nicht aufgetreten wären, hätte Samsung auf die Bloatware verzichtet und das Smartphone stattdessen mit der unveränderten Android-Version ausgeliefert.

Für die Nutzer ist das fatal. Die wenigsten haben Zeit und Lust, sich regelmäßig mit der OS-Version ihres Smartphones zu beschäftigen. Für Apple-Kunden ist das kein Problem, die Updates kommen von selbst und gleichzeitig für alle von ihnen. Die Android-Landschaft dagegen ist zum Flickenteppich geworden: Ein Großteil der Nutzer verwendet veraltete Versionen wie Jelly Bean, Kit Kat oder Lollipop. Das neueste Android Marshmallow läuft, Stand Anfang November, auf gerade einmal 0,3 Prozent der Geräte.

Der Kunde hat die Macht. Theoretisch

Kaum ein Kunde kann diese Begriffe auseinanderhalten. Wer ein Smartphone sucht, achtet auf Design und Geschwindigkeit, auf Marke und Displayqualität - nur ein Bruchteil der Nutzer nimmt überhaupt Notiz von der Android-Version, die Kaufentscheidung beeinflusst sie erst recht nicht. Die Amerikanische Bürgerrechtsunion ACLU spricht mittlerweile gar von einem "Digital Security Divide": Wohlhabende Apple-Kunden könnten sich Datensicherheit und Privatsphäre erkaufen. Menschen mit weniger Geld müssten mit günstigeren Android-Smartphones vorliebnehmen - einem System, über dessen Sicherheit selbst Googles eigene Entwickler "beschämt" seien.

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Google drängt die Hersteller, endlich zeitnahe Updates zu gewährleisten. Die aber stellen sich quer und beharren darauf, Android mit eigener Zusatz-Software zu versehen. Für eine Entscheidung könnten die Kunden sorgen: Entweder sie wechseln zu Apple (wie sie es in den gesättigten Märkten USA und Europa derzeit tun), oder sie kaufen vermehrt Android-Smartphones, die garantiert regelmäßig gepatcht werden, etwa Googles eigene Nexus-Serie.

Vorerst bleibt das eine vage Hoffnung, denn Sicherheit ist nicht sexy. Sinkt die Nachfrage nach ihren Handys, könnte der Druck auf Dritthersteller steigen, auf eigene Anpassungen der Software zu verzichten. Das wäre gleich doppelt im Sinne der Käufer. Wer von Sony-Android zu Samsung-Android wechselt, hätte tatsächlich das Gefühl, das gleiche Betriebssystem zu verwenden. Und unabhängig vom Hersteller wären alle Android-Nutzer endlich eines: halbwegs sicher.

Disclosure: Der Autor hat in seinem Leben noch kein einziges Smartphone oder Tablet von Apple bedient, geschweige denn besessen. Er will sich auch keins kaufen.

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