Sexismus in Videospielen Manifest gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus

Man könnte es sich leicht machen und die Angreifer als typischen Bodensatz des Internets relativieren - und damit akzeptieren. Das hieße aber, die Computerspielhersteller zu früh aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Wer sich 2012 noch immer nicht zu schade ist, neue Games mit halbnackten Messehostessen anzupreisen, wer noch immer wie in "Hitman: Absolution" Computerspiele entwickelt, in denen ein einziger Mann acht schwer bewaffnete Latex-Killer-Nonnen tötet, und wer Lara Croft, die Protagonistin einer der bekanntesten Videospielserien der Welt, zwar entsexualisiert, sie aber gleichzeitig nur knapp einer Vergewaltigung entgehen lässt, der scheint kein großes Interesse an einem modernen Frauenbild zu haben. Warum aber ist es, wie es ist?

Mathias Fuchs ist Medientheoretiker an den Universitäten in Potsdam und Manchester und hat eine einfache Erklärung für das Phänomen: "Die Branche ist noch immer sehr männerdominiert. Die Entscheidungsträger sind quasi zu 95 Prozent Männer", sagt der Wissenschaftler. Noch wesentlicher sei aber, dass die meisten Programmierer zwischen 18 und 28 Jahre alt seien. Die Fähigkeit, zu hinterfragen, welche Stereotype sie reproduzierten, sei oft nur eingeschränkt vorhanden. Einen positiven Trend sieht Fuchs dennoch: Unter den Indie Games gebe es vermehrt gute Beispiele.

Natürlich gibt es die auch im Mainstream. Vereinzelt. Bewegungs-, Musik- und Tanzspiele haben dazu beigetragen, dass heute fast die Hälfte der Spielerinnen weiblich ist. Ebenso der Popularitätszuwachs von Browsergames, gefördert durch den Boom des Social Webs. Das sind aber häufig Spiele, die ohne besonders ausgeprägte Story auskommen, weil sie zum Zeitvertreib für zwischendurch oder als Gemeinschaftserlebnis mit Freunden gedacht sind. Es gilt auch nicht automatisch, dass Hersteller mit sexistischen Spielen automatisch Erfolge erzielen. "Duke Nukem Forever" floppte. Darin muss der Spieler statt Flaggen "Babes" erobern. Auch "Postal 3", wo Frauen vor allem als Stripperinnen, Sexobjekte oder Sarah Palin auftauchen, setzte sich im Handel nicht durch.

Viele männliche Gamer lehnen einen solch dumpfen Sexismus inzwischen ab. Immerhin ein Hoffnungsschimmer in einer Szene, in der weibliche Gamer noch immer sexuellen Belästigungen ausgesetzt sind.

Im vergangenen Dezember stellten Computerspielerinnen ein sehenswertes Manifest auf YouTube, in dem sie ihre männlichen Mitspieler auffordern, sie nicht wie den letzten Dreck zu behandeln. Ihr Appell: "Sei nicht rassistisch. Sei nicht homophob. Sei nicht sexistisch". Man sollte es den Spielentwicklern zeigen.