Sexismus in Videospielen Fett, hässlich oder nuttig

"Bitte krieg' Krebs und stirb!" Wenn Grace solche Nachrichten in ihrem Postfach findet, freut sie sich. Anders als Sarkeesian widmet sie sich nicht dem Umgang mit den Frauen auf dem Bildschirm, sondern mit denen, die die Spiele spielen. Denn Spielerinnen bekommen von männlichen Spielern regelmäßig Beleidigungen und Drohungen geschickt. Grace und drei weitere Frauen machten das öffentlich: Knapp zwei Jahre lang sammelten sie die Aussagen auf ihrer Seite Fat, ugly or slutty. Der Name bezieht sich auf die Eigenschaften, die die Absender Spielerinnen am häufigsten zuschreiben: fett, hässlich oder nuttig.

Grace ärgert sich nicht über die Nachrichten, sie findet sie lustig: "Das ist so absurd: Da spielt jemand ein Spiel, checkt die anderen Gamer aus, tippt mühsam einen Text zusammen und schickt ihn in den Äther. Ein riesiger Aufwand, ohne dass er weiß, was damit passiert." Manche Beleidigungen sind durchaus kreativ: In Graces Favorit droht der Absender, eine Zeitmaschine zu bauen, um ein Dinosaurierei zu holen, das Tier großzuziehen und es auf die Spielerin loszulassen.

Männer, die auf ihre Seite kämen, seien über solche Aussagen oft entsetzt und entschuldigten sich für ihre Geschlechtsgenossen, weil sie mit solch einem Ausmaß nicht gerechnet hätten, erzählt Grace. Dabei sei es kein Wunder, dass sie davon nichts geahnt hätten: "Wir haben allen gesagt, dass man nicht über sexuelle Belästigung in Games sprechen soll. Jahrelang hieß es: Don't feed the trolls! Nicht drauf reagieren, nicht drüber reden. Also konnte auch keiner davon wissen."

Möglicherweise funktioniert der humorvolle Weg von "Fat, ugly or slutty" besser. Zumindest bekommt Grace nur selten Beleidigungen, die sich gegen die so benannte Seite selbst richten. "Ich wundere mich da selbst drüber", sagt sie. "Vielleicht trauen sie sich nicht, weil wir uns ja über sowas lustig machen." Ihren richtigen Namen will sie trotzdem nicht öffentlich lesen. Vielleicht kommt der Shitstorm ja doch noch.