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Self Storage:Gier nach Besitz? Dagegen gibt es eine App!

Self Storage

Weg mit Krempel - und ab damit in "Self Storage"-Lagerräume. (Symbolbild)

(Foto: dpa)

Digitale "Self Storage"-Dienste helfen jetzt beim Entrümpeln. Der Grund könnte einfach sein, dass dem Silicon Valley die Geschäftsideen ausgehen.

Von der Socke bis zum Smartphone besitzt der Durchschnittseuropäer von heute etwa zehntausend Gegenstände. Ausgerechnet im Silicon Valley, sonst ja nicht unbedingt als Ort des Konsumverzichts bekannt, tüftelt ein Start-Up namens Omni nun an einem Gegenrezept für diesen modernen Besitztumswahn. In Zukunft soll all der Krempel nicht mehr im Keller, sondern in der Cloud gelagert werden. Oder eben an jenem Ort, der ihr in der physischen Welt noch am ehesten entspricht: einem hochmodernen Self-Storage-Lager.

Einmal dort eingelagert, werden die Objekte ihren Besitzern innerhalb von ein paar Stunden auf App-Zuruf geliefert. Braucht man sie gerade nicht, kann man sie anderen Nutzern auf Leihbasis gegen eine selbst gewählte Gebühr zur Verfügung stellen. Von diesem Leihbetrag behält Omni ziemlich üppige 50 Prozent ein. Immerhin ist Omni aber mit all den üblichen Funktionen ausgestattet, die man von modernen Dienstleistungs-Apps kennt. Es gibt eine Bewertungsfunktion, auf einer digitalen Karte kann man sehen, wie weit das gewünschte Objekt vom eigenen Standort entfernt ist. Bislang ist der Service nur in Kalifornien verfügbar und mit einer vergleichsweise moderaten Risikokapitalinfusion von 15 Millionen Dollar ausgestattet. Wenn man den Marktmechanismen trauen darf, kann man in ein paar Monaten in Berlin einen Nachahmer erwarten.

Das passt zum Mythos "digitaler Nomade"

Inzwischen sind gut 100 000 Gegenstände in dem Lager katalogisiert. So gut wie alles ist dort zu finden. Ein Tennisschläger für fünf Dollar pro Tag, eine E-Gitarre für zehn, ein Zelt für zwanzig. All die Sachen eben, die man irgendwann mal unbedingt gebraucht hat und die jetzt doch nur Platz weg nehmen. Wenn man so will, ist Omni also eine Resteverwertung für die Überflussgesellschaft. Das passt ja auch prima zum modernen Mythos vom "digitalen Nomaden", der sich, so erklären es zumindest zahlreiche Trendgeschichten, weitest möglich von irdischen Besitztümern trennt und außer Luft, Liebe und einer LTE-Internetverbindung nur noch wenig zum Leben benötigt. "Wir wollen das Konzept von Besitz auf der Welt ändern", erklärt Thomas McLeodder, Mitgründer der Einlagerungs-App, mit entsprechender Gravitas. Zugang auf Zeit statt Eigentum für immer.

Man kann das aus zweierlei Sicht betrachten. Zum einen ist es natürlich konsequent: Nachdem die sogenannte Sharing Economy in den vergangenen Jahren bereits dazu geführt hat, dass Menschen ihre Wohnung (Airbnb), ihr Auto (Uber) und ihre Arbeitskraft (Deliveroo et al.) zur Verfügung gestellt haben, kommt jetzt der ganze Rest. Zum anderen aber ist das Konzept, der Unternehmensname Omni deutet es an, auch ein wenig beliebig. Vielleicht entspringt das jedoch weniger kühlem Business-Kalkül als vielmehr schierer Verzweiflung? Es gibt eben nicht mehr so viele Dienstleistungen, die es noch nicht gibt.

Das liegt auch an den sich ändernden Umweltfaktoren im Start-up-Ökosystem. Viel wurde darüber geklagt, dass die großen Tech-Konzerne neuen Firmen die Luft zum Atmen nehmen. Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft, die sogenannten Big Five, die seit vergangener Woche zusammen mehr als drei Billionen Dollar wert sind, scheinen sich ein Geschäftskonzept zu eigen gemacht zu haben, das man sonst nur von chinesischen Billigherstellern kannte: Sehen sie ein vielversprechendes Konzept, wird es in kürzester Zeit geklont. Wenn Omni also in den nächsten Monaten Erfolg haben sollte, kann man damit rechnen, dass auch Mark Zuckerberg schon bald einen Haufen Krempel verleihen wird.

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